Hamish wusste nicht, welche Sicht sch?mender Krieg. Die Tatsache, dass er ohne jegliche Kontrolle immer wieder die erniedrigende Folter über sich ergehen lassen musste? Oder die… dass seit Kurzem seine Wenigkeit nicht mehr verlangt wurde, weil ein gewisser Wolf sich alles vorzog? War dieser Wolf bescheuert? Wer meldete sich denn freiwillig... und das mit einem fetten, breiten Grinsen im Gesicht... um dann zu sagen: Na endlich, ich habe euch schon vermisst und ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr, damit ihr mich mit eurem schleimigen, arroganten Getue meinen nackten Allerwertesten lecken k?nnt. Er sehnt sich schon nach euch.
Dass Hamish fassungslos über Krieg war, war eine absolute Untertreibung. Und natürlich hatten die J?ger das als Beleidigung aufgefasst... und das lie? sie schmerzhaft an Neil aus. Mit jedem erdenklichen Mittel, das sie zur Verfügung hatte. Er musste nur immer wieder sehen, wie zugerichtet er von diesem Folter zurückkam. Wie auch immer es m?glich war, aber dieser Kerl kam st?ndig ohne bleibende Verletzungen zurück, w?hrend sein K?rper aussah, als h?tte er im eigenen Blut gebadet. Was auch immer in diesem Wolf steckte, es zerst?rte ihn nicht. Wobei Hamish vermutete doch eigentlich, dass Neil dennoch Schmerzen empfand... und dass irgendwann diese Toleranzgrenze erreicht sein würde, sodass sein Verstand Schaden nahm. Wie hielt er sich so eisern fest? Jetzt noch verbissener als zu irgendeiner Zeit davor.
Wie sehr er sich nach Wasser zum Reinigen sehnte, nach einem gemütlichen Bett und nahrhaftem Essen. Mit einem tiefen, frustrierten Seufzen fuhr Hamish sich mit den H?nden durch sein wildgewuchertes, gelocktes, fettiges dunkelbraunes Haar, das sich ermüdend über sein Gesicht legte. Er bemerkte, wie stark seine Gesichtsbehaarung gewachsen war. Als seine Haare die komplette Kontrolle über ihn gewonnen hatten. Er besa? überhaupt keine Kontrolle mehr. Nicht bei seiner Freiheit, beim Wachstum, wovon auch immer und erst recht nicht über einen erholsamen Schlaf. Ihm fielen hin und wieder die Augen zu, aber die Befürchtung, ihm k?nnte jemand an den Kragen gehen, lie? seinen Wolf ebenfalls nicht zur Ruhe kommen. Er streifte schon seit ihrer Gefangenschaft unruhig in ihm umher. Kein Wunder... je l?nger es dauerte, desto mehr wurde Hamish in den Wahnsinn getrieben, weil sie keine Bewegung bekamen. Diese silbernen Gitterst?be waren die reine H?lle, dazu die Aussicht, dass sie Verbrennungen verursachten und dass ihr Radius, als man sie berührte, noch kleiner wurde.
Ein weiterer Blick zu dem K?fig gerichtet, in dem Neil untergebracht war, stieg Unmut in ihm auf. Schon seit l?ngerer Zeit war er fortgeschleppt worden. Nach seinen Worten musste er mit Sicherheit einiges über sich ergehen lassen. Aber was hatte ihm nur dazu geritten? Beim letzten Mal, als dieser Wolf in seinen silbernen K?fig geschmissen wurde, als w?re er nur ein Sack Müll, hatte etwas in seinen Augen geblitzt. Etwas Erwartungsvolles. Sein brauner, harter Blick war auf den Ausgang gerichtet. Ein L?cheln, als k?nnte jederzeit etwas passieren. Hamish hatte ihn darauf angesprochen, aber sein Grinsen war nur breiter geworden und er hatte knurrend gemeint… der Schlüssel für meinen K?fig kommt zu mir.
Allein diese Aussage hatte Hamish nur noch ratloser und verwirrter zurückgelassen. War dieser Wolf schon verwirrt und vom eigenen Wahnsinn besessen? Er pers?nlich sa? schon viel l?nger hier und es gab bisher keine Aussichten auf ein Entkommen. Langsam fand er sich wirklich mit seinem Schicksal ab und damit, dass er nicht mehr hier herauskommen konnte. Ebenso für seinen Alpha... er hatte keine Ahnung, wo auch immer er sich hier befand. Hamish konnte ihn durch das Rudelband nicht spüren oder gar andere seiner Mitglieder. Als w?ren sie nur ein weites Echo aus der Ferne. Daher hatte er... weil die Entt?uschung zu gro? war... aufgeh?rt, nach Verbindungen zu greifen, die zu weit entfernt waren. Allein schon für seinen Wolf, weil er mit jedem Versuch nur weiter qualvoll wimmerte und weil er keinen Kontakt zum Rudel besa?. Es schmerzte, weil diese sozialen Berührungen fehlten.
Die Reihe der K?fige, in der Hamish sich befand, war die vorderste, die zum Ausgang zeigte. Die Zelle von Neil war die Erste und seine der Zweite, w?hrend ihm gegenüber sich einige K?fige an der Wand befanden. Hinter ihm reihten sich einige danach und selbst wenn nur wenige davon belegt waren, wusste er, dass in jedem Einzelnen schon ein Wolfswandler gefangen gehalten wurde. Alles hinterlie? eine Spur und so schnell verzog sich kein Geruch, wenn niemand reinigte. Die J?ger legten definitiv keinen Wert darauf und wer hier landete. Langsam gew?hnte Hamish sich an diesen Anblick und an seine verzweifelte Lage. Genauso wie der ekelhafte Gestank nach F?kalien, Angst und der Tod. Am Anfang hatte er genauso die gleichen Emotionen verspürt, die Neil jetzt verspürte. Hass, Groll und reine nackte Mordlust. Jeden J?ger hier wollte er in kleine Stücke zerfetzen. Am besten danach, als er ihnen die Kehle mit seinen Rei?z?hnen herausgerissen hatte. Doch die Zeit verstrich, die Mühe, die er sich gab und an Ketten und Gitterst?ben hing… biss er sich seine Z?hne aus. Die inneren Kr?fte schwanden zunehmend und dazu mit wenig Nahrung. Wenn jemand das überhaupt Essen schimpfen konnte, w?hrend J?ger nur irgendeine breiige Pampe in den K?fig schmissen. Sie setzten denen Fra? vor, als w?ren sie die K?ter. Nur so langsam setzte der überlebensinstinkt ein, dass es hier niemanden mehr ausmachte, vom Boden zu fressen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Mit einem Zucken wurde Hamish aus seinen Gedanken gerissen, als er ein leises Ger?usch wahrnahm. Kamen sie wieder zurück? Brachten sie den Wolf wieder in seinen K?fig? Je intensiver er hinhorchte, h?rte er, dass sich Schritte n?herten. Nicht nur ein Paar… sondern mehrere. Sein harter K?rper spannte sich noch mehr an und wartete auf die zukommende Bedrohung. Nur im Hintergrund das leise Winseln des Wolfes hinter ihm in einem der K?fige. Hamish w?re bereit, sollte es erforderlich sein. Selbst wenn er keine Chance besa?, sein Wolf würde trotzdem noch k?mpfen. Solange bis jemand ihm den letzten Rei?zahn gezogen hatte.
Ein tiefes Knurren stieg mit jeder weiteren Sekunde aus seiner Brust und Kehle empor. Seine dunkelblauen Augen verengten sich bedrohlich, w?hrend Hamish in seiner Zelle lauernd kauerte. Pl?tzlich, wie aus dem Nichts, tauchte eine einzige Frau am Eingang auf. Allein ihre violetten Augen, die sich in diesem Raum umblickten, machten ihm mehr als deutlich, dass sie eine J?gerin war. Ihre k?mpferische Haltung, die zwei spitzen Dolche, die mit Blut getr?nkt waren, hielt sie fest in ihren H?nden, ihre ockerfarbene Haut besa? eine gl?nzende Schicht, als schwitzte sie. Ihr tiefschwarzes Haar war zu einem langen, strengen Pferdeschwanz zusammengebunden und ihre Aufmerksamkeit hochgradig konzentriert. Diese J?gerin… hatte er zuvor noch nie gesehen und Hamish konnte auch nicht wissen, wer noch alles in diesen G?ngen lauerte. Aber eines war sicher... er konnte niemanden vertrauen.
Kurz wandte die Frau ihr Augenmerk ab, als würde sie mit jemandem kommunizieren. Auch wenn er nichts h?ren konnte, spürte er, dass sie nicht alleine war. Das machte es nur noch schlimmer und ihm entschlüpfte ein drohendes Knurren aus seiner Kehle. Sie betrat den Raum mit gezielten Schritten und lief durch die G?nge der K?fige, als suchte sie nach jemandem. An jedem K?fig ging sie vorbei, als erhoffte sie, dass jeden Augenblick das erschien, was sie wollte.
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Was wollte sie hier?
?We… wer bist… du?“, knurrte Hamish zornig, w?hrend seine dunkelblauen, finsteren Augen die neue Bedrohung nicht aus dem Blick lie?en. Er drehte sich sogar mit seinem angespannten K?rper, weil er sie nicht aus seinem Blickfeld lassen wollte. Unsicher, was passieren würde. ?H?rst du mir… überhaupt zu?“, fragte er missgelaunt, rau und hart. Sie ignorierte ihn. Aye, er hatte schon immer gewusst, dass J?ger arrogant waren und andere links liegen lie?en. Aber sie rührte keinen Muskel, sondern war nur ihrer eigenen Sache gewidmet.
?Sie kann dich nicht h?ren“, erklang hinter ihm eine ausdruckslose weibliche Stimme. Sein Herz setzte für einen Augenblick aus und er ruckte mit einer schmerzhaften Bewegung zu dieser Stimme herum. Hamish nahm weiterhin seine hockende Kampfhaltung ein, sein Gesicht verfinsterte sich zunehmend. Er hatte sie nicht kommen h?ren und ihr Blick… ihre Augen, eines violett und das andere azurblau, w?hrend sich darin nichts regte. Eine weitere J?gerin. Eben die gleiche Hautfarbe wie die andere Frau, au?er dass sie erdbeerfarbene Haare besa? und sie offen um ihr zartes Gesicht fiel. Sie richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn, was gleicherma?en eine Drohung darstellte.
?Ha… Hamish?“, erklang eine weitere Stimme, die ihm sofort bekannt vorkam. Seine Augen weiteten sich, sein Herz rutschte ihm in die Hose und ein eisiger Schauer lief durch seinen ganzen K?rper, was jegliche Anspannung aus ihm fegte. Nein… und doch schaute in diesem Augenblick ein kindliches Gesicht um die Ecke und sobald seine Augen ihn erfassten, leuchteten sie fr?hlich auf. Ebenso lockte das ein L?cheln auf sein jugendliches Gesicht. Genauso seine kleine Schwester…
Schei?e, was suchten Conall und Maura hier?
Gerade wollten die zwei Kinder zu ihm stürmen, als sich die H?nde der J?gerin auf ihre Schultern legten. ?Wartet, nicht so schnell“, sagte sie bestimmt und sie gehorchten.
?Fass sie nicht… an“, knurrte Hamish so laut und drohend, dass es von den H?hlenw?nden stumpf abprallte. Sein Blick nun m?rderisch. Würde sie ihnen nur ein Haar krümmen, würde er alles daran setzen, hier auszubrechen und sie zu t?ten. Dies waren die Geschwister seines Alphas und ihr Schutz stand an erster Stelle. ?Conall… Maura, geht weg von ihr“, befahl er streng, ohne die J?gerin aus den Augen zu lassen. Am liebsten würde er sich gegen die silbernen Gitterst?be werfen, nur ein Versuch, auszubrechen. Ein sinnloses Unterfangen.
?Aber…“, stammelte Conall unsicher und seine kleine Schwester klammerte sich vertrauensvoll an seinen K?rper.
?Kein Aber. Sie sind gef?hrlich“, brummte Hamish unzufrieden, weil sich der Junge weigerte. Wenn Fionnlaogh das wüsste, würde er durchdrehen. Was suchten sie überhaupt hier?
Weiter gegen dieses Verhalten zu widersprechen, tauchte das Gesicht der anderen J?gerin vor ihm auf… die, die alle K?fige nach etwas abgesucht hatte. Wie…? Hamish hatte ihre Schritte ebenfalls nicht wahrgenommen. War er schon so abgestumpft geworden? ?Wo ist er?“, fragte sie mit ernster, aber verlangender Stimme. Von wem sprach sie? Ihre Haltung war angespannt und ihre violetten Augen loderten vor Emotionen, die sich v?llig widersprachen. Als tobte ein Sturm in ihr. ?Du brauchst nicht zu lügen, wenn du dich jetzt weigerst. Ich sehe…“, unterbrach sie sich selbst und ihr Blick wanderte wachsam über seinen K?rper, w?hrend ihre kleine Nase leicht zuckte. ?Du hast sein Oberteil an. Das ist die Kampfkleidung aus unserem Rudel und das, was Neil zuletzt getragen hat. Zumal nehme ich seinen schwachen Geruch von ihm wahr. Wo ist er?“
Geschockt darüber, was sie erz?hlte und fragte, zuckte er zurück. Seine Stirn runzelte sich skeptisch, w?hrend Hamish sie weiterhin beobachtete und darauf zu beharren schien, dass er antwortete. Sie kannte Neil? ?Wer bist du, dass du diesen Wolf kennst?“, wollte er stattdessen wissen. Neil mochte nicht jemand aus seinem Rudelclan sein, aber er war kein verschissener Verr?ter. Er würde ihn nicht ans offene Messer ausliefern. Vor allem keinen verhassten J?ger. Gerade weil sie hier gemeinsam festsa?en.
?Ich muss es wissen, weil er mein Gef?hrte ist“, beantwortete sie seine Frage und was ihm und seinem inneren Wolf sofort bewusst war… an ihr haftete kein stinkender Geruch von einer Lüge.
Seine dunkelblauen Augen weiteten sich bei dieser Aussage und Hamish musste sich an einige Wortfetzen von Neil zurückerinnern. Dieser Wolf hatte angedeutet, dass er eine Gef?hrtin besa? und dass sie gemeinsam miteinander gek?mpft hatten, als es zum Kampf kam. ?Ist… ist das ein beschissener Scherz? Du bist eine… J?gerin?“, schnaubte er, weil er sich davon nicht wirklich überzeugen lie?.
Jetzt verdunkelte sich ihr Blick bei seiner Aussage. Ihr K?rper spannte sich unter dem schwarzen Kampfanzug an und eindeutig zeigte sich ihre Kleidung eine ?hnlichkeit mit dem Oberteil, das er gerade trug. Jenes, dass er am Anfang von Neil bekommen hatte, weil er fror. ?Ja, ich bin eine J?gerin, aber es ist v?llig egal. Neil geh?rt zu mir. Ich bin hier, um ihn zu befreien“, widersprach sie ihm und dieser eindeutige Besitzanspruch war ungew?hnlich. Obwohl sie eine von diesem kaltblütigen Volk war, konnte Hamish jede einzelne Emotion aus ihren violetten Augen ablesen... Schmerz, Verlust, Sehnsucht und zu allem… Zuneigung.
Ungew?hnlich entspannte Hamish lehnte sich leicht auf seine Fersen zurück, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Im n?chsten Moment wanderte seine Aufmerksamkeit wieder zu den Jungen aus seinem Clan, die vertrauensvoll neben den anderen J?gerin standen. Als kannten sie schon eine ganze Weile. ?Warum seid ihr in Begleitung von Conall und Maura?“, musste er stattdessen wissen.
?Sie... sie haben uns... geholfen“, antwortete Conall auf seine Frage und Hamish hob eine Augenbraue. ?Ich… ich wei?, wir sollten nicht hier sein, Beta Hamish“, erklang seine Stimme immer leiser, sein voller Blick senkte sich. ?Als ihr nicht zurückkamt, wollten wir euch suchen“, murmelte er die letzten Worte noch.
?Was hei?t… wir ?“, brummte Hamish unzufrieden und dazu, wie leichtsinnig sie waren.
?Ainslee und… Haydon waren bei uns“, fiepste Maura leise, als traute sie sich kaum.
?Was?“, st?hnte Hamish entrüstet auf. ?Schei?e, wie konntet ihr nur so leichtsinnig sein?“, schimpfte er, trotz dass er hinter den silbernen Stangen sa?, und ihre kleinen K?rper zusammenzuckten. Das war eine absolut beschissene Situation. Diese beiden Drachenwandlerjungen geh?rten einem anderen Clan an und waren gerade in ihrem Rudelclan zu Besuch. Sollte sich herausstellen, dass sie bei ihnen nicht diesen Schutz hatten oder gar Schlimmeres, würde das einen Krieg nach sich ziehen. Die Lage wurde immer dramatischer und beschissener, je l?nger sie hier festsa?en. Zumal er keine Ahnung besa?, wie lange sie aus dem Rudel verschwunden waren. ?Wenn du die Wahrheit sprichst, J?gerin, verrate ich dir, wo Neil sich befindet. Aber vorher musst du mich hier rauslassen“, forderte Hamish die Frau vor sich auf, die ihren Blick nicht von ihm genommen hatte.
Würde sie es tun?

