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11. Lucien

  ?Es sind nun schon einige Jahrzehnte vergangen, seit ich meinen Gef?hrten und ihr euren Vater verloren habt. Ich muss meinen Seelengef?hrten folgen“, spiegelte sich unsagbare Trauer in dem Gesicht seiner Mutter wider. Jedem war es aufgefallen, wie von Zeit zu Zeit ihre Anwesenheit im Leben stets weniger wurde. Aber niemand wollte die Wahrheit sehen und was dieser Verlust für alle bedeuten würde. Raziz und Rhivanna waren wahre Seelengef?hrten gewesen. Sie waren durch eine Band miteinander verbunden, was bis tief in ihre Seele ging. Solche Verbindungen gab es nur noch selten unter den Drachen, die bis zum Grund ihrer Seele gingen und das Leben des Jeweiligen teilten. Stirbt der eine Teil, so stirbt auch der Andere. Der Lebensfunke seiner Mutter hatte seinen Vater besessen und nach seinem Tod nahm er alles von ihr mit sich. Wie grausam es klingt, aber Gef?hrten war es vorherbestimmt, dass ihre Seelengef?hrten ins Reich der Toten folgen werden. Ohne die zweite H?lfte konnte der Andere nicht existieren. Lucien und alle seine anderen Geschwister hatten es stets gewundert, wie lange ihre Mutter diese Qual des Verlustes ausgehalten hatte.

  Normalerweise geschah dies innerhalb eines Jahres, das sie ihrem Partner folgte. Durch die Zerst?rung von Trauer, Leid und Schmerz würden sie innerlich aufgefressen werden und ihnen blieb nur ein einziger Ausweg, um die H?llenpein zu beenden. Ein Beweis, wie lange seine Mutter das durchgehalten hatte, erkannte er den weiteren Verlauf und keiner von seinen Geschwistern und nicht einmal Malatya, ihr jüngstes Anh?ngsel, würde sie aufhalten k?nnen. Ihr innerer Drache dr?ngte sie ebenfalls zu dieser Entscheidung und sie würde in naher Zukunft ihren Gef?hrten folgen, w?hrend seine Familie jemanden geliebten Menschen verlieren würde.

  Auf einmal zog Lucien seine Mutter an seine breite und starke Brust und sie gew?hrte ihm, als sie ihre Arme um ihn schlang. Es mochte unglaubwürdig aussehen, aber trotzdem besa?en Drachen ihre Privilegien, welche sie brauchten. Nach dem Verlust seines Vaters hatte sich einiges ge?ndert. Früher besa?en sie eine harmonische und famili?re Beziehung zueinander. Ausgenommen von den üblichen radikalen Streitigkeiten unter ihren Geschwistern, die v?llig normal waren. Doch nun wirkte alles zurückhaltend und auf Abstand gehend. Nichts war wie es einst Krieg und seine Mutter zog sich immer weiter zurück. Dabei war es wichtig, dass ihre eigenen Kinder sie daran erinnern, wo sie stehen. Ihre Mutter braucht die K?rperprivilegien, wie jeder andere auch. Nur nicht leicht, wenn sie verweigert wurden. Ohne jegliche Berührungen konnte es für einen Gestaltwandler auf l?ngere Zeit qualvoll werden. Sie waren aufeinander angewiesen und brauchten soziale Verbindungen. Lucien war klar, sie alle k?nnten sie mit allem überh?ufen, aber sie litt ohne die Berührungen ihrer Gef?hrten und je l?nger es sich hinzog, umso qualvoller wurde es. Es k?nnte einen sogar in den Wahnsinn treiben. Vermutlich musste er den Thron schneller besteigen, als er geahnt h?tte, denn er konnte seinem jüngeren Bruder das nicht antun, würde ihre Mutter dem zwanghaften Wahn verfallen, w?re es seine Aufgabe sie zu jagen und zu t?ten.

  ?Wieso bist du nicht schon viel eher gekommen, Mutter?“, knirschte Lucien frustriert und reuevoll mit seinen Z?hnen. M?gen sie alle ihre Unterschiede haben, aber Lucien liebt jedes einzelne Mitglied seiner Familie. ?Ich werde diesem Treffen sofort zustimmen und mich dem Rat der Engel stellen. Ich werde eine M?glichkeit finden, um das wieder zu bereinigen und in drei Tagen werde ich aufbrechen“, versprach Lucien ihr.

  Seine Mutter lehnte sich vertrauensvoll an ihn und als sei sie entkr?ftet. ?Ich kann dich verstehen, mein Sohn. Auch wieso du dich zurückgezogen hast“, hatte sie sich bewusst, dass das Thema ge?ndert wurde. ?Ich habe mir oft Gedanken darüber gemacht, wieso du weit au?erhalb des Schlosses lebst. Mir sind einige Dinge zu Ohren gekommen, die mich überrascht hatten. Jetzt wei? ich vieles besser“, klang ihre Stimme verst?ndnisvoll und sie zog sich von ihm zurück, damit sie ihn mit ihren violetten Augen anschauen konnte. ?Du hast im Geheimen versucht, die Meinungen, derer zu ?ndern, die sich von unserer Gemeinschaft abgesondert haben. Hast du seit dem Tag begonnen, als dein Vater get?tet wurde?“, wollte sie von ihm wissen und der Schmerz in ihrem Blick, lie? sein Herz bluten.

  ?Schon viel früher habe ich damit begonnen“, antwortete Lucien und schloss für einen kurzen Augenblick seine Augen. ?Ich wusste, eines Tages werde ich den Platz von Vater übernehmen müssen. Durch mein Blut wurde mir die n?chste Nachfolge zugetragen. Meine Aufgabe war stets, dass ich die Verantwortung hatte, die Grenzkontrollen unseres Reiches zu kontrollieren und mit meinen zu geteilten Einheiten darauf achten, das niemand für unser Volk eine Bedrohung darstellt. Auf meinen Missionen habe ich dies stets mit anderen Absichten verbunden. Egal wo ich war. Deswegen war ich auch st?ndig auf Patrouille und wollte somit einen überblick über alles behalten. Ich musste all das lernen und das auf meine Weise. Ich nahm au?erhalb Kontakte zu unserem Volk auf und das sie lernen konnten, mir zu vertrauen. Sie sollten mich kennenlernen und das ich sie führen kann. Nicht, weil ich der Sohn von Raziz De la Cruise bin. überall kann ich mich natürlich nicht gleichzeitig bewegen und es verging irgendwie die Jahre und mir tut es leid, das du meinetwegen so leidest, aber ich hatte es zum Wohle für das Drachenvolk getan“, erz?hlte Lucien. Noch nie war jemanden aufgefallen, weswegen er sich st?ndig überallhin bewegte. Ja, er war nicht sonderlich erpicht darauf, den Thron zu besitzen, aber Lucien würde das Erbe antreten und hatte schon vor einiger Zeit die Verantwortung dafür übernommen. Alles eben nur auf seine Art und Weise. Dadurch das er viel unterwegs war, g?nnte er sich auch eine kurze Zeit der Ruhe in seiner H?hle, damit er neue Kraft tanken konnte. Niemals würde der Gedanke aufkommen, dass er sein eigenes Volk in Stich lassen würde. Dazu war er nicht geboren.

  Lucien war für eine gewisse Zeit zu einem Einzelg?nger geworden, damit er Vorbereitungen für seine sp?tere Zukunft hatte aufbauen k?nnen und weil ihm das Wohl seines Volkes wirklich am Herzen lag. Anscheinend genau das erkannte seine Mutter nun, weil sie ?hnlich wie alle anderen über ihn gedacht hatte. Verstehen flackerte in ihren Augen auf und sie l?chelte ihn an. ?Wieso hast du nicht schon eher mit mir darüber gesprochen? Jeder h?tte Verst?n...“

  ?Nein“, unterbrach Lucien seine Mutter sofort. ?Es war meine Pflicht und nur ich konnte sie erfüllen, wie du es bereits erw?hnt hast. Mich interessiert es nicht, wenn sie Vorurteile gegen mich hegen, wenn ich dadurch sp?ter positive Resultate bekomme. Vater hatte stets seine eigenen Methoden besessen und ich musste meine eigenen finden, weil ich nicht er bin. Mehr konnte ich bisher nicht machen und niemand h?tte mir bei diesem Vorhaben helfen k?nnen. Ich will es alleine schaffen“, blickte Lucien zum Thron, wo früher sein Vater mit erhobenem Haupt gesessen hatte. Dieses Bild war unvorstellbar, wenn er sich dort oben vorstellte, wo er in unmittelbarster Zeit sitzen würde. Doch so sollte es wohl sein.

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  Lucien konnte gerade die Gedanken seiner Mutter sehr gut lesen, w?hrend er in ihren offenen Blick schaute. Sie verstand ihn und welche Bürde nun auf seinen Schultern lastete. Sie glaubte, er würde es schaffen und das er eines Tages ein guter K?nig für die Drachen sein würde, die er zu Reichtum und erneuter Ehre führte. Zu einem erneuten Imperium, wie es in den Legenden beschrieben wurde.

  ?Ich akzeptiere deine Entscheidung. In drei Tagen, aber ich will nicht, das du alleine gehst“, nahm sie den Faden von vorhin auf, den sie zu Anfang bewusst ignoriert hatte. Sie kehrte mit leisen Schritten zu dem Thron zurück. ?Dein Bruder Raiden wird dich zu diesem Treffen begleiten.“

  ?Was?“, fragte Lucien mit Entsetzen. Raiden war sein ?ltester Bruder und generell von all seinen vielen Geschwistern der ?lteste. Er war über dreitausendzweihundert Jahre alt und er sa? mit im Rat. Natürlich musste es Raiden sein, weil er als Botschafter fungierte. Aber... ?Muss es ausgerechnet Raiden sein?“, knurrte er missbilligend.

  ?Rede keinen Unsinn, Lucien. Glaubst du wirklich, ich würde dich alleine dorthin ziehen lassen?“, schnaubte seine Mutter. ?Ich mag überzeugt sein, dieser Pakt zwischen uns Drachen und Engeln ist wichtig, aber ich traue ihnen kein Stück. Au?erdem wei?t du, dass dein Bruder der Botschafter in unserem Volk ist. Es w?re ratsam, wenn er dich begleiten würde“, antwortete sie, als w?re es selbstverst?ndlich und Lucien verstand diese Situation und willigte mit Widerwillen ein.

  Kurz sprachen seine Mutter und er noch über einige Dinge, die es zu erkl?ren gab und da Lucien noch vorübergehend Zeit verspürte, sa? er mit vier seiner Geschwister an einem Tisch. Danach würde er definitiv wieder in seine H?hle zurückkehren und darüber nachdenken, was er mit der Elfe tat, wenn er in drei Tagen aufbrechen musste.

  ?Also ich h?tte niemals geahnt, das du einen Engel in einen deiner Kerker wirfst. Ich bin schwer beeindruckt“, lachte Ysera seit geschlagene zehn Minuten, die Zweitgeborene unter all seinen Geschwistern. Sie war eine perfekt ausgebildete Kriegerin und besa? den Rang einer W?chterin. Ihr gewelltes langes goldgelbes Haar hatte sie stets zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihre goldenen Augen waren auch ihre natürliche Farbe und erst beim Leuchten erkannte jeder die Pr?senz ihres Blitzdrachen, wenn er in den Vordergrund trat. Eine Narbe zierte unter ihrem linken Auge, die sie stolz in einer Schlacht erworben hatte. Ysera besa? einen schlanken muskul?sen K?rperbau und ihre leicht gebr?unte Haut, zollte davon, wie oft sie drau?en hart trainierte. Sie war fast dreitausend Jahre alt und keiner sollte sie untersch?tzen, denn sie liebte den Kampf und eine gute Schlacht.

  ?Halt die Klappe. Wie oft willst du es noch wiederholen?“, knurrte Lucien leicht ver?rgert und hatte seine Arme vor seiner Brust verschr?nkt, w?hrend er sich bequem in seinen Stuhl zurückgelehnt hatte und seine einzig ?ltere Schwester gegenüber anstarrte.

  ?Solange, bis ich genug davon habe“, antwortete sie lachend und ihm war mehr als bewusst, dass es noch einige Jahrzehnte dauern würde, bis sie es vergessen h?tte.

  Ein Schnauben ert?nte neben ihm. ?Du solltest doch langsam wissen, wie Ysera tickt, Lucien. Sie macht aus allem ihren Spa?, wenn es nicht gerade um Gaias geht“, meinte Charia grinsend und sofort h?rte Ysera auf zu lachen. Sie knurrte und fluchte sie missbilligend an. Charia war die Viertgeborene unter ihnen und kam nach ihm mit ihren über eintausendsiebenhundert Jahren. Ihre F?higkeiten hatte sie ebenfalls unter Beweis gestellt und war unter den Drachen eine Befehlshaberin und verflucht gut in dem, was sie tat. Ihr K?rper war mit wohlgeformten Muskeln gest?hlt und ihre braunen Haare, welche sie als Erddrache auszeichnete, hatte sie stets geflochten. Braune Augen, die weich sein konnten, aber auch erbarmungslos, wie die Erde, die einen verschlucken konnte.

  ?Du meinst Gaias Wailing? Immer noch? Ich dachte, ihr habt euch schon l?ngst im Bett ausgetobt“, wirkte Lucien etwas überrascht, aber konnte sich sein Grinsen nicht verkneifen. Gaias besa? die Position eines Offiziers und er stammt aus dem Volk der Lykae. Wesen, die wie Drachen ihre Gestalt ver?ndern konnten. Nur das sie eine Mischung aus Wolf und Mensch waren. Lykae konnten drei Formen annehmen, sodass Drachen nur zwischen ihrer menschlichen oder tierischen Seite entscheiden konnten. Lykae waren ebenfalls ein m?chtiges Volk und sie besa?en eine rohe animalische Bestie in sich.

  ?Du verdammtes Miststück! Und du, fick dich Lucien“, keifte Ysera ihn an und es war anscheinend immer noch ein wunder Punkt von ihr. ?Lasst mich mit diesem arroganten Arsch in Ruhe. Ich werde mich niemals so weit herablassen und mit ihm in eine Kiste springen“, flüchte sie weiter. ?Doch mal was anderes“, verwarf sie ihre eigene Aufmerksamkeit und grinste ihn listig an. Sie beugte sich etwas über den Tisch, da sie vor ihm sa? und schnupperte in der Luft, als nahm sie eine Witterung auf. ?Du riechst nach einer Frau und das intensiv. Eine kleine Note von einer Elfe, wenn ich mich nicht irre. Wirklich sehr selten. Du scheinst ebenfalls tief gesunken zu sein, mit diesem blasierten Volk etwas anzufangen. Dabei lassen sie sich nach diesem niederschmetternden Krieg nicht mehr blicken“, roch sie noch einmal und rümpfte mit ihrer Nase angewidert.

  Sein Drache in ihm fletschte bedrohlich mit seinen Z?hnen und seine Augen glühten vor Zorn. Dies lie? Ysera sofort zurückgeben und das sollte sie auch, wenn sie ihn auf diese Weise provozierte. Er wusste nicht einmal, warum er das so reizte und diese Elfe verteidigte, aber sein Drache wollte es und das reichte ihm aus. ?Das kann ja wohl meine Sorge sein und wenn du meinen Stolz noch einmal so infrage stellst, musst du mit Konsequenzen rechnen, Ysera“, warnte Lucien seine Schwester vor. ?Mache du dir lieber Gedanken über dich selbst, denn du wei?t, du bist Gaias vorherbestimmte Gef?hrtin und Lykae empfinden eine tierische Freude, wenn sie ihre Partner jagen dürfen. Selbstverst?ndlich k?nnte sie sich ablehnen, aber wenn Ysera es bis heute nicht tat, musste etwas an diesem Spiel der Jagd dran sein. Ihr Drache genoss es.

  ?Leckt mich doch alle“, stand Ysera emp?rt auf und akzeptierte bis jetzt noch nicht, wen sie zugewiesen bekommen hatte, und rauschte wie eine Gewitterwolke davon. Ihr Blitzdrache konnte oft für Einschl?ge sorgen, ob jemand es metaphorisch betrachtet oder nicht.

  Lucien wandte sich an seine übriggebliebenen Geschwister. ?Bei welchem ??Quote liegt der Wetteinsatz bei Ysera und Gaias?“, fragte er in der Runde. Unter seinen Geschwistern und einigen Angeh?rigen lief eine Wette, wie lange es brauchen würde, wann die beiden der Versuchung nachgaben.

  ?Laut meiner Berechnung, ungef?hr 150 rote Nuyar“, berichtete Taran und grinste leicht, als er von seinem Buch aufschaute. Lodan sa? ebenfalls neben ihm. Sie Zwillinge waren und wenn niemand genau hinsah, konnte niemand sie auseinanderhalten. Ihr hellblaues kurzes Haar zeichnete sie als Wasserdrachen aus und ihre saphirblauen Augen leuchteten vor Wissbegierde. Kein Wunder, sie versanken in Büchern und sie waren gerade einmal fast zweihundert Jahre alt und sie sogen alles wie ein Schwamm auf. Ohne jeden Zweifel, aus ihnen würde gelehrt werden.

  ?Was, so hoch schon?“, weiteten sich Luciens Augen ein wenig und konnte seine überraschung nicht verbergen. Nuyar war die W?hrung in der Mythenwelt und sie besa?en eine rautenartige Form. Ihr Wert zeigte sich darin, wenn sich ein andersfarbiger Stein in der Mitte bemerkte. Rot war die dritth?chste Stufe von sechs Farben. ?Gut, dann biete ich gleich noch einmal mit“, grinste Lucien und unterhielt sich noch ein wenig mit seinen drei Geschwistern und würde hiernach gleich noch Malatya besuchen, weil er es ihr versprochen hatte.

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