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43. Lucien/Emmanline

  ?Da ihr Drachen offenbar einen ausgepr?gten Beschützerinstinkt habt, wisst ihr, dass dies euer schw?chster Punkt ist ?Haben, doch Gnade gegenüber den Schw?cheren kennt ihr bei ihnen nicht Im Gegensatz zu den Drachen, die niemals Schw?cheren schaden würden.“ Emmanline sah ihn an, ohne ihre K?lte zu verbergen und Lucien bemerkte, dass sie einen wunden Punkt bei ihm getroffen hatte. ?Aber letzten Endes geht es nicht nur darum. Ich verstehe Wut und den Hass, der eure beiden V?lker belastet. Jeder will seine Eigenen schützen. Ihr seid starke, stolze V?lker, die sich nichts nehmen lassen. Ihr habt Kriege geführt... und was ist daraus geworden? Welche Verluste habt ihr erlitten?“ Sie machte eine kurze Pause, bevor sie eint?nig fortfuhr: ?Ich will nicht sentimental wirken, aber es werden nicht nur eure V?lker betroffen sein, sondern unz?hlige andere. Die Mythenwelt ist ein einziges Chaos, eine t?dliche Gefahr.

  Und ob Lucien das wusste. Einen sicheren Hafen würde es nie geben... nicht auf dieser Ebene, nicht in einer anderen Dimension... nirgendwo. Nicht alle k?nnten vor jeder Gefahr geschützt werden und das wollte er für sein Volk. ?Und was genau hast du getan?“ Seine Stimme war hart, aber in seinem Blick lag eine Funke Anerkennung. Emmanline hielt seinen Blick stand. Nicht viele hatten den Mut, ihn so lange direkt in die Augen zu sehen. Sie wirkte unantastbar, aber was lag hinter dieser Fassade? Sie war weder schüchtern noch aufdringlich selbstbewusst. Vielmehr lag ihr Vertrauen in sich selbst wie ein offener, verletzlicher Punkt in ihr verborgen... den sie sich eingestanden oder auch nicht. Was auch immer sie in ihrem Leben durchgemacht hatte, all das hatte sie gepr?gt, in guter wie in schlechterer Weise.

  ?Ich habe bisher noch nichts getan. Nur auf den alten Pakt zwischen euren beiden V?lkern neu angesprochen“, meinte sie geradeheraus.

  Für einen Moment stutzte Lucien und er war... verwirrt. ?Was gab es darauf anzusprechen? Dieser Pakt war hinf?llig, als ich diesen verfluchten Engel in meinen Kerker geworfen habe. Ich hatte ihn gebrochen, aus Wut und Zorn. Vor dem Rat habe ich versucht, einen neuen Pakt zu schlie?en, damit der Waffenstillstand weiterbesteht... aber sie wiesen ihn stets ab.“ Er knurrte, ungeduldig und wütend zugleich.

  ?Sicher lehnten sie dein Friedensangebot ab. Würdest du denn mit einem Bündnispartner, der gegen den Vertrag versto?en hat, erneut ein Gesch?ft eingehen? Das w?re ja ziemlich dumm.“ Emmanline hatte wieder einmal Recht und langsam wurmte ihn das. Niemals würde Lucien erneut Vertrauen schenken, wenn es einmal gebrochen wurde und doch hatte er es versucht... zum Wohle seines Volkes, weil er wusste, dass sie sonst unter den Konsequenzen eines neuen Krieges leiden würden. ?Ich bin keine kluge oder raffinierte Person und kenne mich auch nicht in diesen hohen politischen Dingen aus“, begann sie leise, sachlich, ?aber ich habe genug über dein Volk gelernt, um zu verstehen, worum es geht. Die Engel sind bereit, neue Kompromisse einzugehen. Aber ich kann nicht bestimmen, wie sie aussehen. Es wird einiges von euch Drachen verlangt werden, das wahrscheinlich nicht angenehm ist, aber ihr solltet es zumindest anh?ren.“

  Lucien musste einr?umen, dass Emmanline recht hatte. Doch wie würden diese Kompromisse aussehen?

  ?Die G?ttin erz?hlte mir, sie h?tten die Macht, euch zu erschlagen“, fuhr sie fort, ihre Augen fest auf ihn gerichtet, ?aber es würde nichts bringen. Ihr seid ein Teil des Gleichgewichts, wie jedes andere Volk auch auf dieser Welt. Ich habe darüber nachgedacht... und sie hat Recht. Würde ein Volk ausgel?scht werden, würde es das Gleichgewicht weiter destabilisieren. Ein Volk nach dem anderen w?re gef?hrdet. Katastrophal, gerade weil es sich um eine so m?chtige Rasse wie deine handelt. Mir wird jetzt auch bewusst, welche Rolle die G?tter haben... sie sind da, um das Gleichgewicht zu bewahren. Ist es nicht so?“ Emmanline lie? ihn keinen Moment aus ihren silbrigen Blick, fest, unbeirrbar und in ihm brodelte die Mischung aus Wut, Sorge und Faszination.

  ?Ja, hast du.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein raues Flüstern, doch es best?tigte nur ihre Vermutung. Die G?tter mischten sich nur ein, wenn etwas Katastrophales oder B?ses geschah... und Lucien wusste genau, dass ihre Worte die Wahrheit trafen.

  ?Und als die G?ttin mir davon erz?hlt hatte, fiel mir noch etwas anderes ein. Dein Volk braucht dich... denn du bist der rechtm??ige Drachenk?nig. Die Drachen folgen nur ihrem wahren K?nig. Sicher k?nnte es andere Anführer geben, die nicht dazu geboren wurden, aber das w?re niemals dasselbe wie der Rechtm??ige. Nur der Rechtm??ige besitzt die besondere Macht, die die Drachen im Zaum halten kann. Diese Macht kann man nicht erlernen... sie ist angeboren.“

  Lucien stockte. Woher wusste sie das?

  ?Würden die Engel dich ausl?schen, würde das Drachenvolk langsam und allm?hlich dem Untergang geweiht sein, bis ein neuer K?nig geboren wird. Deshalb bist du so unentbehrlich. Kriege führen ist eine Sache, aber ein ganzes Volk auszul?schen eine andere. Keiner k?nnte ein ganzes Volk vernichten... es gibt immer Wege, sich zu verstecken. Selbst die Engel versuchen, einen Krieg zu vermeiden, auch wenn sie eure Schwachpunkte kennen. Aus Ereignissen lernt man. Niemand sollte so leicht ausgel?scht werden.“ Emmanline schien sich selbst einen Moment zu unterbrechen. Lucien bemerkte einen Funken von Erkenntnis... vielleicht sogar Hoffnung in ihren Augen. Aber wofür?

  Lucien hatte ihr die ganze Zeit aufmerksam zugeh?rt. Jedes Wort traf ihn wie ein Schlag. Niemand konnte wissen, dass sie all dies wusste. Niemand. Dieses Wissen war ein tiefes Geheimnis seines Volkes. Wenn es jemand herausfinden würde… sein Volk w?re dem Untergang geweiht. Die Drachen folgten nur ihrem rechtm??igen K?nig... doch Lucien musste sich auch beweisen. Nur ein wahrer K?nig konnte Loyalit?t verlangen. Und genau deshalb war es ihm so schleierhaft, dass sie dieses Wissen in sich trug. ?Niemand wei? davon.“ Die Worte entglitten ihm, ein leises Flüstern, kaum mehr als ein Atemzug. Er sprach sie mehr zu sich selbst als zu ihr.

  ?Ich hatte doch erw?hnt, dass ich mehr Ahnung über das Drachenvolk habe, als du je vermuten würdest.“ Ihre Stimme war ruhig, fast zu ruhig für das Gewicht ihrer Worte. Und Lucien wusste, für dieses Wissen musste Emmanline einen Preis gezahlt haben, den kein Wesen freiwillig zahlen würde. Er spürte, wie in ihm erneut dieser t?richte Funke Wut aufflammte... nicht gegen sie, sondern gegen alles, was ihr angetan worden war.

  ?Culebra…“ Lucien spuckte den Namen aus, als h?tte er Gift auf der Zunge. Der Zorn traf ihn wie ein Schlag. Hei?. Brennend. Unb?ndig. Er hatte schon früher Mordlust gekannt, aber dieses Mal… dieses Mal war es anders. Tiefer. Pers?nlicher. Dieser Bastard würde leiden. So sehr, dass selbst die H?lle ihn versto?en würde. Er würde um Gnade wimmern... doch Lucien war sich sicher, dass er ihm keine geben würde. Nicht eine einzige Sekunde. ?Emmanline, du wei?t, dass ich dich mit diesem Wissen nicht gehen lassen kann.“ Seine Stimme war finster, ein gef?hrliches Grollen, das über seine Lippen rollte. Sie wusste zu viel. Zu viel über ihn. über sein Volk. über ihre Schw?che.

  Doch sie hob nur ruhig ihr Kinn. ?Und doch musst du“, erwiderte Emmanline, als w?re es die simpelste Wahrheit der Welt.

  Sein Blick verh?rtete sich. Das dunkle Gold seiner Augen flackerte auf. Er war ohnehin schon mürrisch... nein, gereizt, zornentbrannt, innerlich am Brodeln. Aber jetzt? Jetzt wurde es absurd.

  ?Au?erdem“, fügte sie hinzu, ?habe ich geschworen, nie etwas von euch preiszugeben. Schon vergessen? Du kannst mich mit ruhigem Gewissen gehen lassen.“

  Ruhiges Gewissen? Lucien h?tte beinahe gelacht... oder gebrüllt. Vielleicht beides. Mit ruhigem Gewissen? Verdammt noch mal... er hatte seit ihrer ersten Begegnung nicht ein einziges ruhiges Gefühl gehabt. Emmanline machte ihn wahnsinnig. Unm?glich, unertr?glich und gleichzeitig… unausweichlich.

  Ich werde noch wahnsinnig…

  ?Sag, tust du das mit Absicht?“ Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, gef?hrlich und glühend. Ein seltsames Gefühl lie? ihn innerlich zurückweichen, als würde sie ihn herausfordern, auf eine Art, die er nicht greifen konnte. ?Du tr?gst das Wissen meines Volkes in dir. Und jetzt erst wird mir richtig bewusst, wie viel es ist. Du erz?hlst mir Dinge, die niemand kennen oder wissen sollte… und doch habe ich das Gefühl, du willst mich provozieren.“ Sein Blick bohrte sich in Emmanline, seine Stimme grollte ernst und fest wie geschmolzenes Metall. Für einen Moment dachte Lucien, sie würde schweigen, nachdenken, sich zurückziehen.

  Doch dann antwortete sie, ruhig, fast gelassen: ?Ich verstehe das gerade nicht.“ Ihre Stirn runzelte sich leicht und das kleine, schmale Gesicht wirkte ernst, nachdenklich. ?Du hast mich gefragt, wie ich es geschafft habe, dich frei zu bekommen. Ich habe dir geantwortet... die Wahrheit gesagt. Und trotzdem stellst du mir wieder etwas entgegen. Selbst ich, die Drachen verantwortlich für Grausamkeit und Tod macht, muss erkennen, dass das Gleichgewicht gewahrt werden muss. Meine Ahnung dieser Welt ist minimal, aber ich lerne, soweit es mir m?glich ist.“ Emmanline wandte sich leicht ab und blickte aus dem Fenster. Und dieser Blick… traf ihn wie ein Pfeil mitten ins Herz. Kein Gefühl, keine Regung auf ihrem Gesicht und doch strahlte sie eine unendliche Einsamkeit und Sehnsucht aus, die selbst Lucien schwer traf. Ihr Blick verlor sich in der Ferne, so als wollte sie fliegen, wie sein Drache es tat... frei, ungebunden und unaufhaltsam. ?Mir ist egal, was andere über mich denken oder reden. Aber warum versteht niemand, dass ich frei sein will?“ Emmanline sprach weiter, ohne ihn zu würdigen, ohne ihm auch nur einen Hauch von Aufmerksamkeit zu schenken.

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  Jetzt konnte Lucien nicht l?nger stillstehen. Sein Instinkt, der Drache in ihm, dr?ngte nach vorne. Er machte einen Schritt, nur einen, auf sie zu. Sein Herz dr?ngte danach, Emmanline zu sich zu ziehen, sie zu beschützen, sie zu halten. Doch sie bemerkte es sofort. Mit einer geschickten Bewegung hielt sie ihn auf Abstand, entschlossen und stark. Lucien blieb stehen, seine Brust schwer, seine Augen voller Verlangen, ?rger und… einer unbestimmten Sehnsucht. Allein ihr jetziger silberner Blick genügte, um ihn sofort erstarren zu lassen. Er war so leer, so teilnahmslos, dass es ihn eiskalt traf. In diesen Augen lag keine Wut, keine Angst, keine Verteidigung. Nur… nichts. Und dieses Nichts erschreckte ihn mehr als jede Raserei eines Drachengegners. Jetzt begriff Lucien mit erschütternder Klarheit. Als Emmanline von Gleichgültigkeit sprach... meinte sie wirklich alles. Ihr Leben. Ihr Dasein. Ihren Atem.

  Was, bei allen heiligen Flammen, hatte dieser Verr?ter ihr nur angetan, dass sie so vor ihm stand?

  Unnahbar. Ausgel?scht... ohne tot zu sein. Ein Teil von ihm wollte es gar nicht wissen. Doch je l?nger Lucien Emmanline ansah… desto mehr brannte die Frage in ihm. Er musste es herausfinden. Er musste verstehen. Ein heftiger, instinktiver Drang b?umte sich in ihm auf... so stark, dass er kaum atmete. Ein Beschützerinstinkt, der tief aus seinem Drachen stammte. Ungez?hmt und unleugbar. Lucien würde alles tun, um sie vor allem zu bewahren. Doch Vertrauen… würde er von ihr nie bekommen. Dafür war Emmanline zu kaputt. Zu gebrochen... zu oft verraten worden. Sie lebte... weil sie gezwungen war weiterzuleben. Nicht, weil sie es wollte. Lucien erinnerte sich an ihre Worte: Wenn sie nur eine einzige M?glichkeit f?nde, zu sterben… Sie würde sie nutzen. Sofort. Ohne zu z?gern. Aber sie war unsterblich. Unsterblich... und dennoch auf der Suche nach einem Tod.

  Was bedeutete das? Wie weit reichte diese Unsterblichkeit? Warum glaubte sie, keine Flucht zu haben?

  Je tiefer er darüber nachdachte, desto mehr kroch ein eisiger Schrecken in seine Brust und zugleich wuchs darin ein Bedürfnis, das ihn fast überw?ltigte. Lucien wollte sie mehr als alles andere beschützen. Er wollte sie halten. Er wollte ihr zeigen, dass die Welt nicht nur aus Schmerz bestand. Dass es Sch?nheit gab. Licht. W?rme. Dass sie mehr verdiente als das Grauen, das sie bei seinem Volk erlebt hatte.

  Sein Volk.

  Sein Volk hatte diese Frau gebrochen. Vielleicht war es deshalb, weil er die Verantwortung spürte. Vielleicht war es mehr. Viel mehr, als er sich zugestand, denn warum sonst war das Verlangen so gro?, sie vor allem Unheil abzuschirmen, sie niemals wieder loszulassen? Warum fühlte sich allein der Gedanke unertr?glich an, sie wieder in die Welt hinausgehen zu lassen... allein? Lucien musste herausfinden, was das zu bedeuten hatte. Was sie für ihn bedeutete.

  ?Ich wei?…“ Seine Stimme war rauer als gewollt. ?Wenn ich dich jetzt fragen würde, ob du bleiben würdest, würdest du nein sagen.“ Lucien wagte einen kleinen Schritt auf sie zu. Behutsam, als w?re sie ein scheues Tier, das bei der kleinsten Bewegung fliehen würde. ?Aber kann ich irgendetwas tun… um dich umzustimmen? Nur damit du nicht in Gefahr bist?“

  Emmanline sah ihn nicht an. Dennoch konnte Lucien spüren, wie sie nachdachte. Ein paar Herzschl?ge lang schien die Luft stillzustehen. Dann schüttelte sie langsam den Kopf. Ihre schneewei?en Haare schwangen mit der Bewegung mit... ein sanfter, beinahe unwirklicher Kontrast zu der Schwere, die auf seinen Schultern lag.

  Ein stilles, endgültiges Nein. ?Nein. Wieso bist du so darauf versessen? Wieso willst du, dass ich hier bleibe? Du k?nntest doch froh sein, mich loszuwerden. Du w?rst all deine Probleme los.“

  Es stimmte und doch spürte er, wie etwas in ihm dagegen rebellierte. ?Ich wei? nicht warum… aber mein Instinkt sagt mir, ich muss dich beschützen. Ich kann dich nicht gehen lassen.“ Seine Worte waren ehrlich und zu seiner eigenen überraschung fühlte Lucien keine Scham dabei. Emmanlines Stirn runzelte sich, ihre Augen musterten ihn skeptisch, als wollte sie ihn neu einsch?tzen. Ihre vergangenen Erfahrungen mit ihm lie?en keinen Zweifel daran, dass Misstrauen ihre Waffe war. ?Ich…“ Lucien atmete tief durch, k?mpfte gegen die Flut der Emotionen, die ihn überrollte. ?Ich entschuldige mich. Für alles, was ich dir angetan habe. Ich wei?, dass Worte nicht reichen, um deine Wunden zu heilen. Aber… bitte. Gib mir nur eine Chance, es wieder gut zu machen.“

  Emmanline murmelte leise: ?Dein Instinkt…“ und pl?tzlich, für einen winzigen Augenblick, huschte ein Schimmer von R?te über ihre Wangen. Ihre Augen fixierten einen Punkt und Lucien spürte, wie etwas in ihm unruhig wurde. Sein Drache regte sich, die Spannung zwischen ihnen brannte wie Feuer in seinen Adern. Seine Bestie, die er so lange zurückgehalten hatte, verlangte nach N?he, nach Verbindung. Doch er zügelte sich. Er wollte ihr nicht drohen, sie nicht überfordern. Nicht jetzt.

  ?Was ist los, Emmanline? Du wirkst pl?tzlich so… anders.“ Ein L?cheln huschte über seine Lippen, obwohl sein Herz wie wild klopfte. ?Warum so schüchtern? Du scheinst mir doch nicht abgeneigt zu sein.“

  Emmanline schüttelte ihren Kopf, ihre Stimme zitterte leicht. ?N… nein, das ist nicht wahr.“

  Lucien konnte das Leuchten in ihren Augen erkennen und gleichzeitig das silberne Feuer, das darunter verborgen war. Es war spürbar, greifbar, ein Wortloses Verlangen nach N?he, nach Verst?ndnis, nach Verbindung. Er atmete tief durch, senkte die Stimme und n?herte sich ein wenig, ohne ihre Grenzen zu überschreiten. ?Du kannst nicht verbergen, was du fühlst. Du wei?t ganz genau, wir Drachen k?nnen Lügen riechen. Ich spüre und ich rieche es. Und ich… ich will, dass du wei?t, dass ich hier bin. Dass ich bleibe. Dass ich dich nicht gehen lasse... egal, was passiert.“

  Emmanline

  Emmanline biss sich fest auf die Lippen, versuchte, ihre Unruhe zu kontrollieren. Die Situation hatte sie v?llig eingenommen und jeder Herzschlag fühlte sich wie ein Trommelschlag in ihrer Brust an. Ihr war entfallen, wie sehr seine Pr?senz sie in Atem hielt. Seine glühenden Augen waren wie Feuer und obwohl er sich zurückhielt, spürte sie die intensive Pr?senz seiner Macht. Jeder Blick von ihm schien sie zu durchbohren. Angst mischte sich mit dem Drang, sich zu l?sen, den Raum zu verlassen.

  Wortlos riss sie ihren Blick von ihm los und ging an ihm vorbei. Doch er griff nach ihrem Oberarm. ?Lass mich los.“ Ihre Stimme zitterte, ihr Herz raste.

  ?Nein.“ Seine Antwort war kurz, unerbittlich.

  ?Du wei?t, dass du mich gehen lassen musst. Du hast es…“

  ?…beim Mythos geschworen. Ich wei?.“ Unterbrach er sie und beendete den Satz. ?Aber was, wenn ich den Anderen befehle, dich aufzuhalten?“ Seine Augen funkelten gef?hrlich, seine Stimme drohend.

  ?Du kannst mich nicht hereinlegen.“ Emmanline schluckte schwer. ?Der Schwur hindert dich daran, mich aufzuhalten. Egal ob direkt oder durch andere.“

  Ein tiefes Grollen drang aus seiner Kehle. ?Oder die Anderen tun es freiwillig, ohne dass ich es befehle.“

  Stille senkte sich zwischen ihnen wie ein schwerer Vorhang und die Luft vibrierte vor unausgesprochenen Worten. Schlie?lich durchbrach sie die Spannung, leise, aber unerschütterlich: ?Wenn dir wirklich daran liegt, mir nichts anzutun… oder daran, dass ich dich nicht verachte, dann lass mich gehen. Du machst es nur schlimmer. Du w?rst sonst nicht anders wie... sie.“ Das letzte Wort war kaum mehr als ein Hauch, ein flüchtiger Schatten auf ihren Lippen. Sein Griff verh?rtete sich sofort, als h?tte ihr Flüstern einen Nerv getroffen. Für einen einzigen Herzschlag glitt etwas in seinen glühenden Augen auf... Schmerz, roh und unerwartet. Dann lie? er sie los. Schlagartig, als h?tte allein ihre Haut ihn verbrannt.

  ?Geh.“ Knurrte er. ?Bevor ich mir es anders überlege.“ Emmanline ging zur Tür, erstarrte kurz, als er noch einmal sprach: ?Gehe rechts den Gang hinunter, bis du an eine Abbiegung kommst. Dann links, geradeaus, an den Drachenstatuen vorbei. Du wirst automatisch zum Ausgang kommen.“

  Emmanline war überrascht. Er hatte seinen Blick abgewandt und den Rücken zu ihr gedreht. Sie wusste den Weg, doch er leitete sie, ohne sie festzuhalten. Bevor sie ging, stellte sie noch eine Frage: ?Du sagtest, wenn wir alleine reden, würdest du mir erkl?ren, wie du ohne Erlaubnis mentalen Kontakt aufgenommen hast. Also wie?“

  Nach einer kurzen Pause antwortete er, ohne sich umzudrehen: ?Ich wei? es selbst nicht. Ich wollte einen mentalen Kontakt aufnehmen, doch es schien… leichter als erwartet. Als g?be es bei dir keine Barriere.“

  Emmanline wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Das war unm?glich. Schon immer hatte sie eine starke unsichtbare Mauer in ihrem Kopf, wie ihre Mutter sie gelehrt hatte. Kurz murmelte sie noch etwas, dann stürmte sie davon. Sie konnte es nicht fassen... er lie? sie wirklich gehen. Niemand hielt sie auf. Kein einziger Drache, keine Wache, nicht einmal seine Familie oder Aiden. Drau?en spürte sie, wie die Drachen sie registrierten, doch keiner griff ein. Emmanline rannte, ohne zu z?gern, zum Wald Sie spürte die unz?hligen Blicke, die ihr folgten, aber jetzt, zwischen den B?umen, verschwand sie im Schatten. Vogelgezwitscher, das Rascheln der Bl?tter, ferne Tierlaute... alles best?tigte ihr, dass niemand ihr folgte.

  Endlich, nach Monaten, war sie allein. Frei. Endlich konnte Emmanline durchatmen und den Abstand spüren, den sie so dringend brauchte. Nun besa? sie die Freiheit wieder und konnte ihre eigenen Entscheidungen treffen, w?hrend sie sich von den Drachen entfernte.

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