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87. Lucien

  Lucien schien für einen Moment sprachlos zu sein, denn das, was sie gesagt hatte, machte jede weitere Frage überflüssig. ?Natürlich geh?rst du zu meinem Volk“, sagte er schlie?lich ruhig, aber mit einer überzeugung, die keinen Zweifel zulie?. ?Doch nicht, weil du dein ganzes Leben unter uns verbracht hast. Du geh?rst dazu, weil du meine Seelengef?hrtin bist. Und vor allem geh?rst du zu mir.“ Seine Stimme wurde weicher... beinahe feierlich. ?Durch unsere Bindung wirst du immer dazugeh?ren, egal... was auch geschehen mag. Du wirst nie wieder allein sein, das verspreche ich dir.“ Lucien schlang seine Arme fest um Emmanline, so beschützend, dass sein m?chtiger K?rper sich wie ein Kokon um sie legte, als wolle er sie vor allem bewahren, was ihr jemals schaden k?nnte. ?Nie wieder“, murmelte er leise. ?Ganz gleich, was du bist.“

  Emmanline schmiegte sich enger an ihn, als h?tte sie genau auf diese Worte gewartet. ?Dann will ich es… sein“, sagte sie entschlossen gegen seine nackte Brust, was ihm eine G?nsehaut verpasste. ?Eine Hüterin, die diesen Rubin bewahrt.“

  Lucien schloss seine glühenden Augen... unf?hig, diesen Moment anders zu ertragen als mit v?lliger Hingabe, und atmete ihren Duft ein, der ihm unter die Haut ging. ?Du riechst so gut, Emmanline“, flüsterte er. ?Und es fühlt sich richtig an... dich an meiner Seite zu haben. Bei dir habe ich das Gefühl, endlich dort angekommen zu sein, wo ich immer sein wollte.“ Einen Augenblick z?gerte er nicht, ehrlich zu sein. ?Meine Mutter hatte recht. Du gibst mir alles, was ich brauche. Allein deine Anwesenheit genügt mir.“

  ?Jetzt verstehe ich auch die Worte… meiner Mutter“, sagte Emmanline leise.

  ?Welche Worte?“, fragte Lucien sanft, ohne jede Dringlichkeit, als wolle er ihr Raum lassen.

  ?Sie sagte mir einmal, ich solle mein Geheimnis und das… was ich bin, stets verbergen“, begann Emmanline langsam und leicht verzog sich ihr Gesicht. ?Eines Tages würde es jemanden geben, der mich beschützt und gut behandelt. Ich solle keine Angst haben und keine Scheu zeigen. Eines Tages g?be es jemanden, dem ich alles anvertrauen k?nnte.“ Sie hielt kurz inne und atmete tief ein. ?Ich habe ihre Worte nie wirklich verstanden, weil sie mir widersprüchlich erschienen. Doch nun…“ Wieder eine Pause, in der sie noch tiefer durchatmete. ?… beginne ich zu begreifen, dass sie... einen Sinn ergeben.“ Ihre Stimme wurde nachdenklicher. ?Ich bin zwar aus den F?ngen von Culebra entkommen, doch innerlich fühlte ich mich nie wirklich frei. Ich war immer gefangen, auch wenn niemand die Ketten sehen konnte.“ Emmanline senkte ihren silbernen Blick und ihre wei?en Wimpern fielen halb nieder. ?Ich will, dass sich etwas ?ndert. Wirklich. Aber… Vertrauen zu schenken ist für mich nicht leicht. Würde ich mein Geheimnis offenbaren, w?re ich niemals sicher. Alle würden mich jagen… mir keine Ruhe lassen.“ Ein leiser Schmerz schwang in ihren Worten mit. ?Dabei sollte ich unsichtbar bleiben... keine Aufmerksamkeit auf mich lenken. Und genau das habe ich mein ganzes Leben lang getan. Unsichtbar und lautlos sein, damit es aussieht, als würde ich... nicht existieren.“

  Lucien war entsetzt, doch gleichzeitig fragte er sich, ob Emmanline überhaupt verstand, wie viel sie ihm gerade anvertraute. Sie gab damit zu, dass in ihr etwas zutiefst Geheimnisvolles steckte, das die ganze Welt niemals erfahren durfte. Und pl?tzlich fiel ihm etwas ein… seine Mutter hatte es gewusst. Sie hatte die ganze Zeit gewusst, was Emmanline war, und nicht ein einziges Wort davon an ihn weitergegeben. Selbst die G?ttin Seferati nicht. Lucien wollte ihr Geheimnis unbedingt erfahren, doch der Druck... den er damit auf sie ausüben würde, würde sie nicht offener machen... im Gegenteil. Also musste es einen Grund geben, warum seine Mutter und selbst eine G?ttin dieses Geheimnis ebenso streng gehütet hatten. Schon von Anfang an hatte Lucien gespürt, dass Emmanline anders war. Ihr Geruch nach Sonnenlicht, ihr schneewei?es Haar, ihre silbernen Augen, ihre grazile Erscheinung… irgendetwas musste existieren, das niemand erfahren durfte. Etwas, das vielleicht alles ver?ndern k?nnte. Und genau deshalb würde er sie niemals vereinnahmen. Sie verdiente etwas viel Besseres.

  ?Behalte dieses Geheimnis für dich, Emmanline“, sagte Lucien leise… ohne Vorwurf. ?Vielleicht ist es wirklich besser, wenn du es niemandem verr?tst. Egal, was es ist, ich werde dich beschützen, selbst... wenn ich es nicht kenne. Sollte der Tag kommen… an dem du mir alles anvertrauen willst, werde ich da sein. Für dich. Aber für mich ist es nicht entscheidend... dass ich dein Geheimnis kenne, um dich zu lieben oder zu beschützen.“ Emmanline stand fassungslos vor ihm, die Augen weit aufgerissen, verwirrt und nachdenklich zugleich. Lucien konnte genau sehen, wie sehr ihr Verstand arbeitete, wie sie versuchte, all seine Worte zu drehen und zu wenden, auf der Suche nach versteckten Bedeutungen. Sie konnte so viel grübeln, wie sie wollte... es würde nichts dabei herauskommen, das ihr schaden k?nnte.

  ?Du bist… verwirrend“, flüsterte Emmanline schlie?lich, ihren Kopf schwer schüttelnd. ?Jeder würde mich immer dazu dr?ngen… mein Geheimnis preiszugeben. So war es schon immer, egal bei wem. Sie haben immer alles versucht, um ihre... Ziele zu erreichen.“

  ?Ich bin nicht jeder, Emmanline“, entgegnete Lucien ruhig, doch mit einem leichten Missfallen in der Stimme, dass sie nur ansatzweise gedacht hatte, er w?re wie all diese anderen Bastarde da drau?en. ?Mir ist egal, wer du bist. Hauptsache, du bist du.“ Seine H?nde legten sich sanft auf ihre Wangen, umfingen ihr Gesicht behutsam, und er lehnte seine Stirn gegen ihre, w?hrend Lucien ihr tief in die silbernen Augen sah. ?Ich meine es ernst. Gib mir die Chance, es zu beweisen.“

  ?Ich will es... versuchen“, flüsterte Emmanline schlie?lich.

  Mehr konnte sie nicht sagen, und mehr brauchte es auch nicht. Für Lucien reichte es vollkommen. Alles, was sie ihm geben konnte, war ein weiterer Hoffnungsschimmer… ein kleiner Schritt, sie aus der Dunkelheit zu holen, in der sie so lange gefangen gewesen war. Und er würde alles dafür tun, denn sie verdiente so viel mehr, als sie sich selbst zutraute. Still verharrten sie in einer tiefen Umarmung, die sich anfühlte, als k?nnte sie ewig andauern, auch wenn beiden bewusst war, dass selbst dieser Moment irgendwann vorübergehen würde. Doch so sehr sie die N?he genossen… es gab Dinge, die gekl?rt werden mussten, und zwar so schnell wie m?glich. Zeit war ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnten. Je rascher sie handelten, desto besser standen ihre Chancen.

  ?Ich habe eine Bitte an dich, Emmanline“, begann Lucien schlie?lich, auch wenn ihm der Gedanke missfiel, sie überhaupt darum zu bitten. Welche Wahl hatte er schon? ?Noch vor dem t?uschenden Angriff habe ich eine Ratssitzung einberufen. Alle werden morgen Abend eintreffen, und sie wird wie geplant stattfinden. Ein zentraler Punkt dabei wird… Culebra sein.“

  Emmanline rückte leicht von ihm ab, ihr K?rper spannte sich an. ?Du willst… dass ich über ihn spreche“, stellte sie ruhig fest. ?Dass ich alles erz?hle… was ich über ihn wei?.“

  ?Ja.“ Seine Stimme war fest, doch innerlich widerstrebte es ihm zutiefst. ?Es gef?llt mir kein bisschen, wenn ich daran denke, was du durchmachen musstest. Aber dein Wissen k?nnte uns helfen… ihn zu fassen. Ich will, dass er seine gerechte Strafe erh?lt, und die wird grausam sein. Er soll für alles bezahlen, was er jedem angetan hat… ganz gleich aus welchem Volk. Es liegt in unserer Verantwortung, einen Verr?ter und M?rder, der aus unserem Drachenvolk abstammt, nicht l?nger freien Lauf zu lassen.“ Einen Moment schwieg Lucien, dann fügte er leiser hinzu: ?Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass Culebra noch immer hinter dir her sein k?nnte. Je schneller er verschwindet, desto besser wird es für alle sein.“ Er wandte kurz den Blick ab, unf?hig, sie in diesem Moment anzusehen. ?Gerade deshalb gef?llt mir diese Bitte nicht. Ich wei?, dass ich von dir verlange, dich an Dinge zu erinnern, die niemand noch einmal durchleben sollte.“ Eine drückende Stille legte sich zwischen sie. Lucien h?rte ihr Herz rasen, spürte die Unruhe in ihrem Atem, der sto?weise kam. Er wusste, wie schwer diese Entscheidung für sie war.

  ?Kann ich darüber… nachdenken?“, fragte Emmanline schlie?lich leise.

  ?Natürlich“, antwortete Lucien ohne Z?gern. ?Mehr verlange ich nicht von dir. Du sollst es aus freien Stücken entscheiden.“ Ein leichtes Nicken genügte fürs Erste, dann versuchte er, die Schwere des Moments zu l?sen. ?Vielleicht solltest du jetzt eine hei?e Dusche nehmen. Das Thema muss nicht sofort entschieden werden.“

  ?Ja“, seufzte Emmanline leise. ?Das w?re sch?n.“

  Gemeinsam gingen sie ins Bad. Lucien stellte das Wasser an und nahm Emmanline an der Hand, zog sie sanft mit sich in die Duschkabine, und da sie beide noch nackt waren, ersparten sie sich jedes weitere Z?gern. W?hrend warmes Wasser auf ihre Haut prasselte, lie? er seinen Blick über ihren K?rper gleiten, nicht begehrlich, sondern voller stiller Bewunderung. Lucien h?tte ihr immer wieder sagen k?nnen, wie sch?n sie war. Ihre Rundungen waren genau so, wie er sie mochte und liebte… zarte Schultern, eine schlanke, schmale Figur, und doch wirkte sie in seinen H?nden nicht zerbrechlich. Das erstaunte ihn jedes Mal aufs Neue. Ja, mit seiner Kraft k?nnte er sie verletzen, vielleicht sogar zerbrechen, doch genau das war es, was ihn so tief berührte… dass sie trotz seiner rohen St?rke keine Angst zeigte. Im Gegenteil… sie beherrschte ihn, ebenso wie seinen Drachen, ohne es je zu versuchen. Emmanline rief seine sanfte Seite hervor, eine Seite, die er so lange verachtet hatte, weil sie ihn verletzlich machte. Wie oft hatte Lucien sich selbst dafür verflucht, seinen brutalen, unkontrollierten Elan gezeigt zu haben… unz?hlige Male. Vielleicht war es genau deshalb so gekommen, dass er sich immer weiter in seine H?hle zurückgezogen hatte… weg von allem, was N?he bedeutete.

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  Emmanline war atemberaubend und obwohl Lucien ihren K?rper anbetete und sich mühelos in ihr verlieren konnte, war ihm in diesem Moment nur eines wichtig… dass sie sich wohlfühlte. Er suchte keine erotische Ann?herung, keine fordernde Berührung. Stattdessen genoss er es, sie einfach zu berühren, sie zu waschen, ihr N?he zu schenken. Ihre Haut war zart, milchig wei?, und bildete einen deutlichen Kontrast zu seiner eigenen. Seine leicht braun gebrannte Haut. Doch was Lucien fast noch mehr genoss, waren ihre Berührungen auf seinem K?rper. Ihre H?nde glitten aufmerksam über seine nasse Brust, als würden sie ihn ebenso erkunden wie er sie.

  ?Warum habe ich das Gefühl“, seufzte Emmanline leise sehnsüchtig, ?dass genau das ist… was ich brauche?“

  Lucien l?chelte sanft auf Emmanline herab, w?hrend das angenehme warme Wasser auf sie niederprasselte. ?Weil wir zueinander geh?ren“, antwortete er ruhig. ?Du bist meine Seelengef?hrtin, und das bedeutet, dass du meine Seele berührst. Wir verlangen und sehnen uns nacheinander, wobei wir unserem Gef?hrten automatisch das geben, wonach er sich am meisten sehnt.“ Er strich ihr das nasse, an ihrer Haut klebende schneewei?e Haar nach hinten, sodass sein Blick ungehindert über ihren K?rper wandern konnte. Ihre kecken Brüste waren wohlgeformt, passten perfekt in seine Handfl?chen… und ja, Lucien erinnerte sich nur zu gut daran, wie sehr er es genossen hatte, sie zu berühren und zu schmecken. Innerlich grollte sein Drache bei diesem Anblick zufrieden.

  ?Bedeutet das“, fragte Emmanline leise, den Kopf leicht geneigt, ?dass du dann… meine Seele besitzt?“

  Sein L?cheln wurde breiter, doch es blieb z?rtlich und bedacht. ?Das bestimmst allein du. Ich wünsche es mir… ja, aber ich werde sie dir niemals entrei?en. Du musst es freiwillig wollen. Wenn wir unsere Seelen tauschen, dann ist es eine Verbundenheit für die Ewigkeit. Nur der Tod k?nnte dieses Band vielleicht zerrei?en… doch selbst auf der anderen Seite w?ren sie wieder eins.“

  ?Habt ihr nicht gesagt“, fragte Emmanline nachdenklich und legte ihren Kopf leicht schr?g, ?dass eure Seelen nie zueinanderfinden k?nnten?“

  ?Ja, das stimmt“, murmelte Lucien, w?hrend seine H?nde von ihren Schultern über ihre zarten Arme hinabglitten und schlie?lich ihre kleinen, zarten H?nde umfassten. ?Allein Hoffnung und Glaube geben einem die Kraft, daran zu glauben. Genau deshalb darf niemand davon wissen. Jeder sehnt sich danach, mit seinen Liebsten wieder vereint zu werden, und diese Hoffnung darf niemals genommen werden.“

  Emmanline senkte ihren Kopf und lie? ihren sch?nen silberfarbenen Blick auf seiner Brust ruhen. Das warme Wasser prasselte unaufh?rlich über ihre K?rper, hüllte sie wie einen flüssigen Mantel ein, lie? ihre Haut gl?nzen und verst?rkte das Gefühl von N?he. Schon dieser Anblick lie? Luciens Herz rasen, raubte ihm den Atem. Selbst sein Drache in ihm würde jedes Mal vor ihr auf die Knie gehen… Drachen waren machtlos, wenn sie ihrer vorherbestimmten H?lfte begegneten. Emmanline war seine bessere H?lfte, und das hatte sie ihm von Anfang an auf unnachahmliche Weise gezeigt… gelehrt, obwohl er weit ?lter war und das Wissen theoretisch schon besa?.

  Unz?hlige Gründe gab es, Emmanline immer an seiner Seite zu wissen, und je mehr Zeit Lucien mit ihr verbrachte, desto schwerer fiel ihm der Gedanke, sie wieder gehen zu lassen. Darum fühlte er jetzt eine tiefe Erleichterung, weil sie bei ihm blieb, fest entschlossen, die Hüterin dieses Rubins zu sein und einen Weg zu finden, den Fluch zu brechen, selbst wenn niemand wusste, wie dies gelingen k?nnte. Die Ungewissheit lastete auf ihnen, doch sie standen gemeinsam darin.

  Schweigend wuschen sie sich gegenseitig, bevor sie sich ebenso still abtrockneten, ankleideten und schlie?lich Hand in Hand ihr Gemach verlie?en. Irgendwann würde es vermutlich entsetzte Ausrufe geben, warum Emmanline wieder lebendig war, doch... für diesen Moment musste der Schritt hinaus in die ?ffentlichkeit getan werden. Lucien würde schon eine Erkl?rung finden… die für alle plausibel war.

  Als sie die Korridore betraten, kündigte ein vertrauter Duft, und ein jubelnder Ruf ihre Ankunft an. ?Emmanline?“ Malatya stürmte auf sie zu, kaum angekommen, und warf sich in ihre Arme, Tr?nen rannen über ihr Gesicht. Lucien konnte nicht anders, als zu l?cheln... der Anblick der kleinen Schwester war zutiefst berührend.

  ?Malatya“, flüsterte Emmanline, schlang ihre Arme fest um das zitternde M?dchen und streichelte beruhigend über ihren Rücken. ?Alles ist gut.“

  ?Ich… ich hatte mir furchtbare Sorgen… um dich gemacht, und als man mir sagte… dass du…“ Malatya brach ab, unf?hig, die Worte auszusprechen. Lucien verstand nur zu gut, wie schwer es war, sie auszusprechen.

  ?Schon gut“, sagte Emmanline sanft, w?hrend sie ihre Hand über Malatyas dunkelblauen Schopf strich. ?Ich bin hier, so wie ich es dir einmal versprochen habe.“

  ?Den G?ttern sei Dank!“, erleichterte Stimmen hallten durch den Korridor, w?hrend sich Lya und fast alle anderen seiner Geschwister langsam n?herten. Nur Raiden, Alastar und Ruby fehlten unter ihnen… doch das überraschte Lucien kaum. Viel mehr fiel ihm jetzt auf, wie stark ihre Verbundenheit geworden war. Seit dem Tod ihrer Mutter waren sie enger zusammengerückt, und dieser Zusammenhalt zeigte sich besonders in diesem Moment, in dem sie Emmanline umringten. All das war ihr zu verdanken, und ein Stolz… der tief in ihm wuchs, durchstr?mte Lucien, w?hrend er seine Gef?hrtin an seiner Seite betrachtete. Sie war genau die Richtige für ihn, und sollte dies so bleiben, würde sie eine gerechte K?nigin seines Volkes sein… vorausgesetzt, sie akzeptierte diese Rolle.

  ?Stürmt nicht alle auf sie ein“, schmunzelte Lucien, als er Emmanlines Blick begegnete, und zog sie sanft an sich. ?Sie wei? sich überhaupt nicht zu wehren.“

  Und Lucien hatte recht… Emmanline konnte sich inmitten dieser vielen erdrückenden Fürsorge kaum behaupten. Noch immer war ihr alles unangenehm, weil er es sah… und sie kannte solche Aufmerksamkeit nicht. Ihr Verstand versuchte noch immer, all das zu verarbeiten, was Lucien ihr zuvor im Zimmer und unter der Dusche gesagt hatte. Jede Berührung, jedes Wort, selbst die Gewissheit, dass seine Seele nun ihr geh?rte… ihr ganz allein… durchstr?mte ihn mit einem Funken unvergleichlicher Freude. Sein Herz schlug so heftig, dass er befürchtete, es würde jeden Moment aus seiner Brust springen. Noch nie zuvor hatten Worte Lucien so aus der Fassung gebracht… normalerweise hatte Emmanline gelernt, solche Komplimente als Lüge zu erkennen. Doch sie lernte langsam, dass bei ihm keine T?uschung, keine Unehrlichkeit war... nur die W?rme seiner Zuneigung und dieser unverkennbare Blick voller Hingabe.

  Am liebsten wollte Lucien Emmanline einfach in seine starken Arme rei?en, ihr seinen Schutz geben, und… obwohl es ihr ein wenig Angst bereitete, konnte sie sich dem nicht widersetzen. Es fühlte sich an wie ein natürlicher, unvermeidlicher Teil von ihnen, fast so… als h?tten ihre Seelen bereits eine Verbindung geschaffen. Ob Emmanline ihm jemals ihre Seele ganz schenken k?nnte? Zweifelnd blieb die Frage in seinem Kopf, doch im Moment war das nebens?chlich. Wichtiger war, dass Lucien sie fest an sich zog und ihr Innerstes w?rmte.

  ?Lucien, du solltest wissen… die ersten Ratsmitglieder sind angekommen. Darius und Saphira erwarten dich.“ Charia, seine Schwester, unterbrach die Szene, und Lucien wurde abrupt aus seinem Gefühlschaos gerissen.

  ?Es war irgendwie zu erwarten“, l?chelte Lucien, als sei es für ihn v?llig normal. ?Sie sollen in meinem Arbeitszimmer erscheinen.“ Sein Tonfall lie? keinen Zweifel daran, dass er ihr gleichzeitig etwas sagen wollte.

  ?Schon gut, ich werde zurechtkommen“, antwortete Emmanline sanft und drückte seine Hand, w?hrend sie mentalen Kontakt zu ihm aufnahm. Das lie?en ihn und seinen Drachen innerlich summen vor Freude.

  Lucien wirkte überrascht. ?Bist du sicher?“ Es war offensichtlich, dass er sie am liebsten nicht alleine lassen wollte.

  ?Natürlich“, erwiderte Emmanline ruhig in seinem Geist. ?Aber du solltest gehen. Bei dieser Angelegenheit brauchst du mich nicht. Ich werde warten.“

  ?Ehrlich gesagt… ich will dich nicht alleine lassen“, gestand er in ihrem Kopf und ein leichtes Stirnrunzeln verriet seine Unsicherheit. Es war ihm unangenehm, doch Lucien konnte es nicht ?ndern.

  ?Ich wei?“, erwiderte Emmanline, ?aber ich schaffe das.“ Sie hielt seine Hand fest, lie? den Kontakt nicht abbrechen.

  Lucien l?chelte und konnte sich nicht zurückhalten: ?Habe ich dir schon einmal gesagt, wie wundervoll ich dich finde?“ Je l?nger Emmanline auf mentaler Ebene miteinander kommunizierten, desto schwerer fiel es ihm, sich von ihr zu l?sen. Es mochte besessen wirken, vielleicht auch ein wenig schwach, doch in Wahrheit fühlte Lucien sich st?rker als je zuvor... beflügelt durch ihre N?he, ihre Geduld, ihre Vertrautheit. Sie bleibt bei mir und wartet sogar auf mich, dachte er voller Glück. Diese Frau war sein gr??tes pers?nliches Geschenk... und gleichzeitig sein angenehmes Verderben. Aber ein gutes Verderben. ?Gut, dann sehen wir uns sp?ter“, sagte Lucien sanft in ihrem Kopf, drückte ihr einen letzten, leidenschaftlichen Kuss auf ihre weichen Lippen und l?ste sich schlie?lich von ihr. Es fiel ihm schwer, doch er wusste, dass es notwendig war. Wenn er weiterhin mit Emmanline unbeschwert leben wollte, musste er zuerst ihre Sicherheit gew?hrleisten. Sie war noch nicht au?er Gefahr... Culebra war weiterhin eine Bedrohung.

  Und so ging Lucien, doch innerlich versprach er sich selbst, sich zu beeilen. Jeder Moment ohne Emmanline fühlte sich unvollst?ndig an, und er konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen.

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