Am wolkenbehangenen Abend, als die Dunkelheit über sie hier gebrochen war, stand das ganze Rudel auf dem ?ffentlichen Platz versammelt. Es war eine beeindruckende Erscheinung... jeder einzelne Wolf war gekommen. Jeder trug die traditionelle Kleidung. Die Frauen und M?dchen trugen ihre Tartankleider, w?hrend die M?nner und Jungen wei?e Leinhemden anhatten, Kilts um die Hüften und den Tartan über eine Schulter gebunden, sodass er schr?g über die Brust reichte. Egal, welche Farben ihr Clan repr?sentierte... eines war sicher... alle trauerten um den Verlust ihrer Rudelmitglieder. Sogar die Feen hatten sich am Rand versammelt und warteten darauf, Abschied zu nehmen. Alle standen in einem gro?en Kreis, und in der Mitte erhoben sich vier gestapelte Scheiterhaufen... jeweils zwei übereinander und zwei nebeneinander, gro? und lang genug, um vier ausgewachsene Personen darauf niederzulegen. Wie ein Viereck aufgebaut. Um sie herum waren Feuerschalen verteilt, die teils w?rmten und teils Licht in der dunklen Nacht spendeten.
Pl?tzlich teilte sich die Menge, und Sorcha schaute auf. Fearghas und Mhairi hatten sich eng an ihren K?rper geschmiegt. Ihr Tartan hatte sich um sie gelegt, weil die K?lte doch sehr an ihre zarten K?rper zog. Als erstes erschien Adair mit drei anderen Rudelmitgliedern, die Lachlans toten K?rper auf einer Trage trugen. Dahinter folgte einer nach dem anderen der Tragen mit ihren toten Mitgliedern. Gereinigt und eingewickelt in ein wei?es Leinentuch, nur ihre Gesichter noch frei. Sie lagen auf den Tragen, als würden sie nur schlafen... doch jedes Wolfsohr konnte h?ren, dass ihre Herzen nicht mehr in ihrer Brust schlugen. Selbst die Kleinsten unter ihnen.
?Mama“, erklang Mhairis Stimme hauchzart und brüchig neben ihr, als ihre Tochter die kleine Hand in ihrem Kleid krallte. ?Wird Grannpa Lachlan… wirklich nicht wieder… wach?“, fragte sie in einer unschuldigen, freundlichen Art, was Sorchas Herz schmerzhaft zusammenziehen lie?.
Behutsam legte Sorcha eine warme tr?stende Hand auf das schwarze Haar ihrer Tochter und blickte auf sie herab. Sie sahen ihre eigenen smaragdgrünen Augen in Mhairi, die sie traurig ansahen. ?Nein, mo ghràdh“, antwortete sie sanft sanft. ?Manchmal gibt es im Leben Augenblicke, da müssen wir uns von unseren Liebsten verabschieden.
Die Unterlippe von Mhairi fing an zu zittern, und Tr?nen traten in ihren Augen. ?Aber… aber ich wollte noch so viel… zu ihm sagen“, wimmerte sie leise und vergrub ihr Gesicht in den Falten von Sorchas Rockfalten.
Sorcha musste sich zusammenrei?en, damit sie nicht ebenfalls zusammenbrach. ?Ich wei?“, flüsterte sie und drückte ihre Tochter fest an sich. ?Wir alle… wollten das, mo ghràdh. Sag ihm jetzt noch einmal, was dir auf dem Herzen liegt. Ich glaube, Grannpa Lachlan wird dich h?ren“, sagte Sorcha mit gro?er Gewissheit. Dann wandte sie sich ihrem Sohn zu, der schweigend neben ihr stand. Mit jedem Schritt, den Adair und die anderen Taten, beobachtete Fearghas sie... und kam Zentimeter für Zentimeter n?her an sie heran. Er war der emotionale Veranlagte der beiden Zwillinge und verstand die Dinge tiefer, was Sorcha gr??ere Sorgen bereitete. Vor allem, wenn er sie nicht zum Ausdruck brachte oder nicht darüber sprach.
Behutsam legen sie das Tragen auf den Scheiterhaufen und traten für den ersten Augenblick zurück, um den Verstorbenen die ersten Minuten des Friedens zu schenken. Doch dann… mit einem kurzen Moment, mit dem niemand gerechnet h?tte, erschien Larna... die Gef?hrtin von Lachlan. Mit erhobenem Haupt und ihrem grün-dunkelblauen Tartan, der sie komplett von Kopf bis Unterk?rper einhüllte... wie ein Mantel, lief sie durch die Menge zu ihren Gef?hrten. Vor ihrer Brust raffte sie den dicken Stoff zusammen, als schützte er sie vor allem. Jeder wusste, er geh?rte Lachlan und sie schmiegte sich in diesen Trost ein. Niemand sprach, und keiner wollte, ein Ger?usch zu machen. Keiner h?tte gedacht, dass sie erscheinen würde... weil ihr Schmerz, ihr Verlust zu gro? schienen und dazu ihre Schwangerschaft. Dennoch glaubte Larna mit leeren, aber entschlossenen Augen zu dem Scheiterhaufen, auf dem Lachlan lag. Davor blieb sie stehen und befreite eine Hand aus dem dicken Stoff ihres Tartans. Zart berührte sie seine b?rtige Wange... so z?rtlich, wie es nur Liebende taten. Eine Tr?ne glaubte ihren Wangen hinab, und jeder spürte diesen tiefen Schmerz… diese Leere in allen. Doch niemand spürte sie so sehr wie ein gebundener Gef?hrte. Daher gab das Rudel ihr diesen einen kleinen, kostbaren Augenblick. Larna holte eine Kette hervor und legte sie auf die Brust ihres Gef?hrten ... ein Abschiedsgeschenk. Dann beugte sie sich vor, ihre Lippen direkt neben seinem Ohr. Ihr Mund bewegte sich… flüsterte Worte, die niemand verstand. Das musste auch niemand, denn sie galten nur dem Verstorbenen. Danach erhob sie sich leicht und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die kalten Lippen... ein Abschied, der endgültige Krieg, als Larna sich wieder umdrehte und ging.
Jeder respektierte diese Kunst, weil jeder anders trauerte. So nahm nun jeder auf seine Weise Abschied von den verlorenen Rudelmitgliedern. Adair steht neben ihr und den Welpen. Gemeinsam ging sie voran. Jeder, der wollte, legte zum Abschied Geschenke nieder... am meisten waren es ausgew?hlte Blumen ihrer Wahl, die sie um die toten K?rper legten. Als würde sie auf einem bunten Blumenbett ruhen. Auch Sorcha legte bei jedem Clanmitglied eine wei?e Blume nieder, und ihre Welpen folgten dem Beispiel... eine Lektion in Ehre und Respekt. Adair stand bei ihnen wie ein st?rkerer Fels und stützte sich umgekehrt auf sie, damit er die Zeremonie aufrecht bew?ltigen konnte. Als Alpha und sie als Luna war es ihre Pflicht, jeden die Ehre zu erweisen und den Weg zur Mondg?ttin sicher zu leiten. Zum Schluss erreichten sie Lachlan. Er lag da, als würde er nur schlafen. Für einen Augenblick gab sie Adair den Raum für sich, damit er seinem Vater all das geben konnte, was aus seinem Herzen kam. Es tat Sorcha in der Seele weh, ihre Gef?hrten dort stehen zu sehen und zu spüren, wie er im Stillen um seinen Vater trauerte. Fearghas und Mhairi gingen den kleinen Schritt zu ihm, ergriffen jeweils links und rechts seine gro?e Hand und schmiegten sich an seinen m?chtigen K?rper... als sie seine immense Trauer spürten und ihren eigenen Vater tr?sten wollten. Das schmerzte Sorcha noch mehr, als sie dieses Bild sah. Sie gingen um den Scheiterhaufen herum und legten behutsam eine wei?e Blume neben Lachlans Kopf.
Sorcha erhob die rechte Hand und legte sie auf seine kalte Stirn, w?hrend sie sanft auf den Mann und Wolf blickte, der wie ein zweiter Vater für sie gewesen war. ?M?ge unsere Mondg?ttin dich leiten und eines Tages einen Weg zu uns zurückfinden“, flüsterte sie die Worte in die dunkle, stille, knisternde Nacht voller Trauer und Schmerz. Gedanklich sprach Sorcha viel mehr Worte, die aus ihren Herzen kamen. Wie dankbar sie diesem gütigen Wolf war, was er alles für sie getan hatte und was er mit seinem liebevollen Herzen allen gegeben hatte. W?re Lachlan nie Alpha dieses Rudels gewesen, w?ren sie alle nie so geworden und aufgewachsen, wie sie heute waren. Er war ein Stützpfeiler für alle gewesen. Ein Bindeglied, das einen Anfang geschaffen hatte... und den sie weiterführen würde, weil sie sein Verm?chtnis ehren wollte.
Sorcha war die Erste, die sich von ihrem Abschied l?ste und sich zum Rand zurückstellte, w?hrend sie Adair mit ihren Welpen beobachtete. Er nahm den Trost, die N?he und die W?rme seiner Kinder an... und das allein versicherte Sorcha, dass ihr Gef?hrte nicht in ein tiefes Loch der Betrübnis versinken würde… wie er es einst bei seiner Mutter getan hatte. Natürlich würde Adair daran arbeiten, aber er nahm Hilfe an, dies zu bew?ltigen, anstatt alles mit sich allein auszumachen.
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Eine Regung von Licht und Glanz erregte ihre Aufmerksamkeit. Ohne dass Sorcha es wollte, wanderten ihre grünen Augen in diese Richtung. Ihr Atem stockte, als eine warme Wolke sich vor ihrem Mund bildete. Aus der Menge ihrer Clanmitglieder… ohne dass jemand es bemerkte… wanderte ihre Mondg?ttin unter ihnen. Sanft, ruhig und in gütigem Einklang. Ihre nackten Fü?e berührten den kalten, leicht schneebedeckten Boden, als machte ihr all das nichts aus. Ihr goldener Blick voller W?rme, Zuneigung und Liebe ruhte auf den Verstorbenen, w?hrend sie mit g?ttlicher Anmut zu den leblosen Gestalten schritt. Ihr goldenes Haar floss wie ein goldener Wasserfall den Rücken hinab, und ihr silbernes Gewand flatterte eng um sie herum wie ein Schmetterling in der Nacht. Sorcha beobachtete ihren Weg und bemerkte, wie rücksichtsvoll die G?ttin allen Angeh?rigen die Zeit der Trauer und des Abschieds gab. Zum ersten Mal sah sie es... als gew?hrte die G?ttin ihr dieses Anrecht des Einblicks. Egal, wie oft ihr Rudelclan Abschied genommen hatte, nie hatte sie ihre Pr?senz so offen gezeigt wie heute… aber Sorcha wusste, dass sie immer da gewesen war. An jeder einzelnen Zeremonie. Ganz gleich in welchem Rudel.
Herzliche und mitfühlende Blicke schenkte die Mondg?ttin den lebenden Angeh?rigen, w?hrend sie noch Abschied nahmen. Doch als langsam der Augenblick n?her rückte, sie endgültig ziehen zu lassen, schritt die g?ttliche Gestalt von einem toten Wolf zum anderen. Aus jedem entnahm sie ein leuchtend blaues Licht... hielt es an ihrer Brust, als umarmte sie es in einem stillen Augenblick der Trauer und des Verlusts. Danach wandte die Mondg?ttin einen letzten Blick auf ihre lebenden Wolfskinder. Kurz trafen sich ihre goldenen Augen mit der ihren... ein wachsamer, tiefer Blick… bevor sie im Nichts verschwand und die blauen Seelen mit sich nahm.
Zum Schluss entzündeten geliebte Angeh?rige der Clanmitglieder die Scheiterhaufen und standen an deren Seite... der letzte Weg auf ihrer Reise in ein neues Leben. Alle sahen schweigend zu, wie erst klein, dann immer h?her die Flammen emporstiegen und das Feuer mehr und mehr verschlang. Immer st?rker verzerrten die Flammen die K?rper und nahmen die Geschenke mit sich. So lange, bis am Ende nur Asche übrig geblieben war. Jeder verweilte in der kalten Winternacht so lange, bis er spürte, ihnen den Weg geebnet zu haben. Ebenso traten ihre W?lfe in den Vordergrund und es erklang das nachtr?gliche Heulen jedes einzelnen Rudelmitglieds. Auch ihre tierische Seite verabschiedete sich von den W?lfen, die gestorben waren.
Am Ende blieben nur Adair und Sorcha übrig… mit ihren Welpen auf den Armen. Mhairi hatte sich in Sorchas Arme gekuschelt, w?hrend sie ihren Tartan um die Kleinen geschlungen hatte und sie mit ihrer K?rperw?rme w?rmte. Adair hielt Fearghas auf seinem Arm und tat dasselbe für seinen Sohn... eine fürsorgliche, natürliche Geste. Die Kinder waren in ihren Armen eingeschlafen. Allein durch das lange Warten und das Vergie?en von Tr?nen… es war ein gefühlsaufreibender Abend gewesen, der sie ersch?pft hatte. Doch als Familie würde sie bleiben, solange Adair noch hier verweilen wollte. Sorcha würde nicht von der Seite ihres Gef?hrten weichen.
?Hast du sie gesehen?“, fragte Adair nach einem l?ngeren Augenblick der n?chtlichen, kalten Stille. Sein Blick war geradeaus gerichtet, wo in den Feuerschalen das Feuer allm?hlich niederbrannte und von den Scheiterhaufen nur noch Glut übrig blieb. Sie würden die Asche ihrer Verstorbenen nicht aufsammeln, sondern dem Wind und der Natur überlassen.
Sorcha wusste sofort, wen ihr Gef?hrte meinte. ?Aye, ich habe sie gesehen… sie hat es uns gew?hrt“, antwortete sie im Hauch dieses Augenblicks.
?Zum ersten Mal verbrachte ich diesen Augenblick Trost und Zuversicht… ein weiteres Leben des Wiedersehens. Und ich hoffe wirklich darauf... wenn das bei meiner Mutter ebenfalls so war, lindert es einen Teil meines Schmerzes“, sagte Adair. Sorcha blickte zu ihm hinauf und sah, wie offen er über seine innerste Sprache.
?Mit gro?er Gewissheit, mo chridhe. Du wei?t doch… unsere Mondg?ttin liebt alle ihre Wolfskinder“, sagte Sorcha l?chelnd. Da wandte sich sein eisblauer Blick auf sie zu. Er war schon l?ngst nicht mehr kühl und abweisend… sondern gütig und warm.
?Aye, in diesem Punkt kann ich nicht widersprechen“, sagte Adair sanft. ?Wollen wir auch langsam gehen und unsere Welpen zu Bett bringen? Ich war heute mehr als stolz auf sie.“
?Aye, lass uns gehen“, nickte Sorcha nur, weil sie ebenfalls diese Gefühle empfand. Nicht nur für ihre Welpen... sondern auf für ihre Gef?hrten. Gemeinsam gingen sie als eigenst?ndige Familie davon.
Schottisches W?rterbuch:
Mutter: Màthair
Vater: Athair
Bruder: Bràthair
Onkel: Uncail
Gro?vater: Seanair
Gro?mutter: seanmhair
Meine Herzen: mo chridhe
Liebling: A ghràidh
Meine Liebste: mo ghràidh
Mein Schatz: mo ghràdh
Meine Tochter: mo nighean
Meine Familie: mo teaghlach
Mein Alles: Mo shonuachar
Mein kleines M?dchen: Mo nighean bheag
Meine Seelengef?hrten: mo anam cara
Mein Herz und meine Seele: Mo chridhe ?s mo anam
Seelenbegleiter: Anam Chompanach
Meine Fee: Mo shìthiche
Meine Schwester: Mo phiuthar
Meine geliebte Schwester: Mo phiuthar ghràidh

