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15. Shanna

  Shanna sa? lautlos in der Dunkelheit der Nacht... oben auf dem Dach ihres ehemaligen Zuhauses und der Huntervereinigung aus England. Das Dach mit seinen schwarzen Ziegeln war relativ flach, lief aber in der Mitte zu einer spitzen Linie zusammen und mit einem leichten Gef?lle auf der anderen Seite zum Innenhof. Auf der Schattenseite verbarg sie sich und konnte gerade so über die Spitze schauen und auf den verborgenen Innenhof blicken. Vor ihr erstreckte sich auch die hohe Front… wo ihr Vater und andere Familienangeh?rige wohnten. Oben die breite Fensterseite… wo stets ihr Vater stand, damit er alles überblicken konnte. Diese Nacht war relativ dunkel... ein wolkenbehangener Himmel und kein natürliches Licht drang durch. Es war auch besser so, denn so konnte Shanna sich ausgiebig in der Dunkelheit verbergen und sicherstellen, dass keiner der J?ger sie entdeckte. Wieder hatte sie es problemlos an den J?gerw?chtern vorbeigeschafft, ohne dass sie auch nur einmal ihre Anwesenheit bemerkten. Lautlos und in einer Stille getaucht, wie ihre Welt in absoluter Stille getaucht war.

  Emily und sie waren am sp?ten Nachmittag in ihre Welt zurückgekehrt, und Shanna hatte feststellen müssen… wo auch immer diese Hexe lebte, verging die Zeit ganz anders als in ihrer Welt. Um Mitternacht waren sie am vorigen Tag aufgebrochen und kamen so viele Stunden sp?ter zurück… obwohl sie nicht so viel Zeit in diesem mysteri?sen Wald verbracht hatten. Das war ungew?hnlich und deutete auf eine andere Ebene oder Dimension hin, weil sich die Zeit mit allen anderen überschnitt oder verzerrte.

  Sie beide hatten sich einen Plan zurechtgelegt und wie sie am besten in das Lager eindringen konnten… ohne dass ihre Aufmerksamkeit erkannt wurde. Ohne Verabschiedung hatten sie sich an dem riesigen Baum auf der Lichtung getrennt, und das mussten sie auch nicht, weil jede dieser sinnlosen Worte unter J?gern nicht gestattet war. Es waren l?cherliche Worte und niemand gestattete es sich, in Sentimentalit?t abzuschweifen. Shanna hingegen… sie widersprach diesen Gedanken und der Abschied im MacKenzie-Rudel verschaffte ihr unheimlichen Rückhalt und St?rke… für ihre Aufgabe, weiterhin zu wappnen. W?hrend sie bis zur jetzigen sp?ten D?mmerung der Nacht gewartet hatten, hatte Shanna ihre versteckten Sachen geholt und ihren Rucksack mit dem Proviant, den Craig ihr mitgegeben hatte. Er sa? schmal und doch kompakt auf ihrem Rücken und behinderte sie auf keine Art und Weise.

  Jetzt… wo sie wartete. Auf das Zeichen ihrer Schwester, das sie ausgemacht hatten und das alle J?ger ablenken sollte. Genau wusste Shanna nicht, was genau Emily vorhatte. Aber sie vertraute ihr und weil es ein Zeichen w?re, welches sie nicht übersehen konnte. Sie hoffte nur, dass ihre Schwester sich nicht unn?tig in Gefahr brachte.

  Je l?nger Shanna auf dem Dach sa? und wartete, desto mehr zog die K?lte in ihre warmen Knochen. Ihre Kleidung war dünn und atmungsaktiv... genau was sie brauchte. Ihr schwarzes langes Haar hatte sie zu einem Knoten zusammengefasst, sodass nichts sie behinderte oder zu einem Nachteil wurde. Bei jedem hei?en Atemzug traten immer gr??ere Wolken vor ihrem Mund zum Vorschein. Aber auch das war sie gewohnt… der K?lte zu trotzen und sie nicht als Schw?che zuzulassen.

  Mit einem Schlag ver?nderte sich die Atmosph?re um Shanna herum, was ihr einen Schauer über den Rücken laufen lie?. Dann… eine starke Vibration erschütterte ihren K?rper und ihr Kopf ruckte über die Dachspitze zum Innenhof des Anwesens der Huntervereinigung. Dort sah sie auf der linken Seite Rauch aufsteigen und wie gro?e Feuerzungen zum Inneren tobten. J?ger rannten in Aufregung zur Quelle des Brandes, der sich auszubreiten schien. Als fra? er sich mit Leichtigkeit durch das Geb?ude auf der linken Seite. Eine Explosion …? Wie konnte… Augenblick, war dies das Zeichen... das Emily gemeint hatte?

  Ohne Zeit zu verschwenden, schwang Shanna ihren zierlichen K?rper über die Spitze des Daches. Sie nutzte den leichten Schwung und den Fall nach unten, rutschte ruckartig hinab, griff an der Kante des Daches und landete mit dem Impulsmoment sanft im Innenhof. Sofort verzog sie sich in die Schatten der Pfeiler zurück und beobachtete die Lage.

  Alle versuchten, das pl?tzlich ausgebrochene Feuer zu l?schen, als hinge eine Menge davon ab. Ohne Z?gern wandte Shanna sich dem rechten Weg entlang und schlüpfte durch eine der Glastüren ins Innere des Geb?udes… nutzte jeden Schattenwinkel. Kürzer w?re es über den ?u?eren Gang gewesen, aber dadurch, dass so viele dort in gro?er Hektik wie aufgescheuchte Hühner herumliefen, w?re das Risiko viel zu hoch gewesen, dass sie sie dort erkannten. Zumal der gr??te Teil der J?ger sich nun dort befand. Mit so vielen alleine k?nnte sie es nicht aufnehmen.

  Daher beeilte Shanna sich und lief den Korridor entlang, der zum Hauptgeb?ude führte… dem, der zu ihrer Familie geh?rte. Noch immer erinnerte sie sich an alles hier und wo sich der gr??te Teil befand. Selbst wenn sie damals mit zw?lf Jahren von hier fortgeschickt wurde. Gewisse Erinnerungen verblassten nie und vor allem nicht die schmerzlichen Ereignisse, die einen das ganze Leben pr?gen lie?en. Hinter jeder Tür, an der Shanna vorbeilief, wies für jeden Einzelnen eine Erinnerung auf, aber sie ignorierte diesen Impuls der negativen Gefühle in ihr. Daran durfte sie nicht denken, denn sie hatte eine wichtige Aufgabe, und die war wichtiger als alles andere. Neil war wichtig… für jeden und die ihn von ganzem Herzen liebten. Genau dazu wollte Shanna auch geh?ren.

  Am Ende des Ganges angekommen, der den Durchgang zum Hauptgeb?ude vom Inneren verband, blieb Shanna stehen und blickte durch die offene Tür. Immer wieder schaute sie zurück, damit sie keine einzige Bewegung verpasste oder dass sich jemand aus dem Hinterhalt n?herte. Dadurch, dass sie nichts h?ren konnte, musste sie gerade in dieser gef?hrlichen Situation noch aufmerksamer sein. Vor allem, wenn sie diese Schwelle überschritt und in das Geb?ude der Lancaster eintrat, musste Shanna noch eine h?here Konzentration aufbringen. Hier durfte sie sich nicht lange aufhalten… ohne lange unentdeckt zu bleiben. Bis jetzt hatte sie noch kein Zeichen von ihrer Schwester entdeckt und sie hoffte wirklich, dass alles so verlief, wie sie es geplant hatten. Vor allem, dass sie unversehrt war.

  Noch einmal um die Ecke schauend, war es leer in der unteren Etage, aber das konnte auch trügen, als ihr violetter Blick auf die zwei J?gerw?chter fiel, die in der Mitte postiert waren. Sie bewachten eine Treppe, die nach unten führte, und genau das war ihr Ziel. Laut Emily befand sich dort unten ein einziger Raum, und dieser sollte den gelben Kristall beherbergen. Weiter hinten links führte eine weitere Treppe nach oben und ebenso auf der rechten Seite. Vorsichtig lie? Shanna sich in die Hocke nieder und legte eine Hand auf den Boden. Leichte Vibrationen nahm sie sehr intensiv wahr und konnte vorhersehen, wohin diese Schwingungen führten. Dafür hatte sie lange und hart gelernt, um diese F?higkeiten zu beherrschen. Niemand war wirklich in der N?he und wenn sie jetzt das Risiko einging und sich auf die beiden W?chter stürzte, musste alles schnell gehen, aber… was war mit Emily? Sie wollte nicht ohne sie gehen und ihre Schwester alleine in diesem gef?hrlichen Chaos zurücklassen. Auch wenn sie beide etwas anderes ausgemacht hatten.

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  Zeit war nicht wirklich etwas, das Shanna besa?, also musste sie jetzt handeln. Ohne darauf Rücksicht zu nehmen und auf Emily vertrauen musste, dass sie zeitlich voneinander abgestimmt waren. Darauf konnte sie sich auch nicht verlassen, wenn so viel davon abhing, und dies war vorerst ihre einzige gr??te Chance, dorthin zu gelangen, wo Neil sich befand. Auf alles andere durfte sie pers?nlich nicht zurückgreifen.

  Also handelte Shanna jetzt… schaltete all ihre Gefühle ab und wurde zu dem, wozu sie erzogen wurde. Blitzartig zückte sie zwei ihrer scharfen und spitzen Dolche, die sie an ihrem K?rper versteckt angebracht hatte. Ohne Z?gern und mit der pr?ziseren Schnelligkeit, die sie bei den W?lfen gelernt hatte, stürmte sie ger?uschlos aus ihrem Versteck wie ein Schatten hervor und überbrückte in Sekunden diese Distanz vom Durchgang bis zu den J?gerw?chtern. Es waren gute zehn Meter, aber sie schaffte es ohne Probleme, als sie dem ersten J?ger von vorne die Kehle durchschnitt. Eiskalt… ohne Gnade. Er realisierte sie mit weit aufgerissenen violetten Augen... seine überraschung, die man ihm deutlich ansah. Doch es war zu sp?t für ihn, als er mit einer Hand um seinen Hals, w?hrend das Blut in Str?men aus seiner offenen Kehle floss, zu Boden sackte. Dadurch weckte sie jedoch die Aufmerksamkeit und ihre Bewegung, dass der zweite W?chter alarmiert und kampfbereit war. Er griff zu seiner Schusswaffe, aber Shanna ging in die Hocke… mit einem harten Tritt gegen seine Beine nahm sie ihm das Gleichgewicht, als er unsanft auf den Rücken fiel. Ein Schuss l?ste sich nach oben, was bedauerlich schlecht war, aber sie rammte in der n?chsten Sekunde ihre Dolche tief in sein Herz und den anderen in seinen Hals, was ihn ein letztes Mal zu Luft holen animierte... und leblos am Boden liegen lie?… mit weit aufgerissenen Augen... sie lebloser wurden, die sich nicht im Anschein des Todes schlossen.

  Sofort ruckte Shanna in jede Richtung… befürchtete, die n?chste t?dliche Gefahr hinter sich zu spüren und zu sehen, aber nichts geschah. Niemand war hier, doch es würde nicht lange dauern, bis eine Ansammlung von J?gern erschien, weil sie mit absoluter Sicherheit den Schuss geh?rt hatten. Was für sie ein Alarmzeichen in ihrer lautlosen Stille war. Shanna musste schnell handeln und stürmte die lange Treppe zum Keller hinunter, w?hrend die W?nde immer rauer wurden... nicht mehr wie in den oberen Etagen fein verziert und stilgerecht eingerichtet mit jedem Schnickschnack, den Reiche sich in der Lebensspanne dieses Geb?udes leisten konnten. Unten am Absatz angekommen, rechnete sie mit neuen W?chtern, aber als Shanna die Tür aufstie?, empfing sie die Leere des mittelgro?en Raums. Nur zwei J?ger bewachten diesen gelben, riesigen Stein, der sich vor ihr aufbaute und beinahe so gro? war wie sie… der auf einem schwarzen, gl?nzenden Podest thronte und den Raum in der Mitte zierte. Nichts anderes befand sich hier au?er diesem leuchtenden gelben Kristall, der alles in einem wundersch?nen Glanz erstrahlen lie?.

  War das so einfach?

  Keine Frage, w?re die Explosion und das Feuer in der obersten Etage nicht ausgebrochen, w?ren viel mehr J?ger an Ort und Stelle gewesen. Dennoch war es viel zu einfach, wenn dieser Kristall so wichtig für die Huntervereinigung war. Schlagartig ver?nderte sich die Atmosph?re im Raum. Er wurde k?lter, als w?re mit einem einzigen Sog der Sauerstoff entzogen worden. Ihr Herzschlag beschleunigte sich ruckartig und ihr Atem ging leise schneller. Sie war… nicht mehr allein. Als sie sich blitzartig umdrehte… weiteten sich ihre Augen schmerzhaft. Ihre blutigen Dolche, die noch in ihren H?nden lagen, umklammerte sie nun fester, als w?re das ihr sicherer Anker.

  Richard Henry Lancaster…

  Ihr Herz blieb beim Anblick ihres eigenen Vaters stehen. Sein eiskalter und t?dlicher Blick mit den zusammengezogenen silbernen Augenbrauen war auf sie gerichtet, w?hrend seine m?chtige Gestalt den Türrahmen versperrte. Sein schwarzes kurzes, ordentliches Haar, das früher makellos gewirkt hatte, wurde nun von grauen Str?hnen durchzogen und zeigte deutlich, wie er gealtert war. Auch sein markantes Gesicht war scharf wie eh und je. Sein schwarzer Anzug, der ihm wie auf den Leib geschneidert war, machte ihn noch m?chtiger und eindrucksvoller. Seine violetten Augen waren m?rderisch und wütend auf sie gerichtet. ?Ich h?tte nicht gedacht, dass du so dumm bist, hier freiwillig zurückzukommen, nachdem du uns so sch?ndlich verraten hast. Du h?ttest in deinem dreckigen Loch bei diesem Abschaum bleiben sollen, damit ich euch alle gleichzeitig ausrotten kann“, sprach ihr Vater. Sie konnte seine Stimme und deren Emotionen nicht h?ren, aber seine Worte sprachen mehr, als sie es h?ren musste. Shanna wusste sofort, welchen Hass er ihr entgegenbrachte. Ihr K?rper spannte sich weiter an… bereit für einen Angriff ihres Vaters. ?Glaubst du, dieser Ort bleibt unbewacht?“ Ein geh?ssiges und überlegendes L?cheln erschien auf seinen harten alten Gesichtszügen. Als sie nach oben blickte, entdeckte sie ganz raffiniert versteckt… mit Stein getarnte überwachungskameras. Shanna wusste sofort... die Station war in der obersten Etage, wo das Büro des Anführers der Vereinigung lag. Deswegen war er hier und... so schnell.

  Als ihre Augen sich wieder wachsam auf ihren Vater richteten, gab es keinen Fluchtweg nach oben, weil er ihn versperrte. Und wenn er sie jetzt schnappte, w?re es für sie ohnehin das Ende. Das konnte sie sich nicht leisten und hoffte nur, dass dieser gelbe Kristall hinter ihr genauso funktionierte, wie Emily es ihr erkl?rt hatte. Shanna machte einen Schritt nach hinten, ohne die Gefahr vor sich aus den Augen zu verlieren, aber gleichzeitig machte ihr Vater einen nach vorne… nicht genügend Zeit und Freiraum, den sie sich h?tte verschaffen k?nnen.

  ?Du brauchst es nicht versuchen… du wirst hier nicht mehr lebend rauskommen“, sprach ihr Vater gnadenlos weiter, als w?re sie nichts wert... und das war sie in seinen emotionslosen Augen noch nie gewesen. Shanna erfüllte nicht seine Anforderungen und deswegen war sie nutzlos. Allein fing das an, als sie bei ihr die Geh?rlosigkeit festgestellt hatten. Mehr und mehr hatte sich diese kalte Distanz aufgebaut, im Gegensatz zu all ihren anderen Geschwistern und angeh?rigen Familienmitgliedern. Die anderen erfüllten tadellos das Prinzip in diesem Uhrwerk fort, aber besch?digte Zahnr?der… waren nutzlos, mussten beseitigt oder ausgetauscht werden. ?Ich h?tte damals schon handeln sollen und dich als S?ugling beseitigen sollen. Ein bedauerlicher Fehler, den ich jetzt korrigieren werde“, sagte ihr Vater weiter. Nein, seine Worte verletzten Shanna nicht, weil sie noch nie eine Verbindung zu ihm gehabt hatte.

  Der K?rper ihres Vaters spannte sich an, was seinen ma?geschneiderten Anzug zum Zerbersten dehnte. Seine Haltung leicht nach vorne gerichtet, als würde er gleich losstürmen… seine kaltblütigen und entschlossenen violetten Augen, die zu glühen begannen. Voller Zorn, Hass und Mordlust… die darin tobten wie ein Orkan. Kalter Schwei? rann ihr den Nacken herab, w?hrend Shanna sich ebenfalls bereit machte, sich zu verteidigen. Vielleicht besa? sie eine kleine minimale Chance gegen ihn… oder auch nicht. Jede Sekunde z?hlte nun und keinen Augenblick durfte sie unbedacht lassen.

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