Das dürfte doch wohl nicht wahr sein. So weit Emmanline sich erinnern konnte, war sie schon seit zwei Tagen frei... so frei, wie man es überhaupt nennen konnte. Irgendwie machte sie das Stutzig. Der Drache, der sie gefangen genommen hatte, lie? sie einfach ziehen? Natürlich war sie erleichtert und schnell froh darüber, doch gleichzeitig durchfuhr sie ein Schauer der Angst. Drachen waren keine Wesen, die leichtfertig nachgaben. Sie jagten, bis sie ihr Ziel hatte... und h?rten erst dann auf, wenn es in ihrem Besitz war oder genug davon hatte. In ihrem war der Eindruck entstanden, dass dieser Drache alles in seiner Macht Stehende getan hatte, um sie aufzuhalten. Seine ganze K?rpersprache schrie danach und dieser Blick… oh, ihre G?tter, bewahre sie davor. Egal, war Emmanline tat, jedes Mal taucht diese glühenden, wahnsinnigen Augen vor ihrem inneren Auge auf. Sie kannte unz?hlige Drachenaugen... aber solche Intensit?t, solche Ausdruckskraft hatten sie noch nie zuvor gesehen. Jedes Mal, wenn er sie ansah, schien sie f?rmlich zu durchbohren. Ihr K?rper reagierte automatisch. G?nsehaut, Herzrasen, ein Kribbeln, das sie nicht kontrollieren konnte.
Noch nie in ihrem Leben hatte ein Drache solche Gefühle in ihr geweckt. Dabei konnte Emmanline Drachen von Geburt an, hatte ihr ganzes Leben unter ihnen verbracht. Doch kein Wesen hatte jemals etwas wie Anziehung in ihr ausgel?st. Vor allem konnte sie nicht vergessen, was die Drachen ihr genommen hatten... ihr Leben, ihr wertvollstes Gut... ihre Mutter.
Ihre Mutter war immer ihr Halt gewesen, der Grund, warum sie weiterk?mpfte. Auch wenn sie nicht mehr lebte, spürte Emmanline die sanfte, liebevolle Stimme in ihrem Kopf, als w?re sie immer noch bei ihr. Die Pr?senz, die ihre Mutter ihr hinterlassen hatte, lebte in ihr weiter und gab ihre St?rke und Vernunft, selbst in diesen unruhigen Tagen.
?Eines Tages wirst du jemandem begegnen, der dir mehr bedeutet, als du dir jetzt vorstellen kannst. Verschlie?e dein Herz nicht davor, egal was geschieht.
Das waren einmal die Worte ihrer Mutter gewesen. Worte, die Emmanline nie verstanden hatte... und auch heute noch nicht. Wie sollte sie auch? Ihr Leben kannte nur Demütigung, Folter und Erniedrigung. Schmerzen waren ihr st?ndiger Begleiter, Tag für Tag. Irgendwann hatte sie sich daran gew?hnt, als w?re es weniger geworden. Sie mochte vielleicht schon ?fters gestorben sein, doch niemals so, wie sie es sich wirklich gewünscht h?tte. Jeden Tag betete Emmanline um Erl?sung... doch niemand erh?rte ihr Gebet. G?tter? Ja, sie existierten, aber sie waren nicht dazu da, Wünsche zu erfüllen. Alles, woran sie geglaubt hatte, war Aberglaube, M?rchen. G?tter handelten eigensinnig und extravagant. Sicher, sie hatten immense Macht und achteten auf das Gleichgewicht in der Mythenwelt, aber ihre eigenen Ziele waren stets wichtiger, sobald sie sich einmischten.
Doch nichts ?nderte sich. Egal, wie sehr Emmanline es versuchte, ihre Gedanken abzulenken, immer wieder erschien der Drache vor ihren inneren Augen. Es war seltsam, aber sie fühlte sich st?ndig verfolgt von ihm... in all ihren Sinnen. Sein m?nnlicher, erdiger Duft haftete noch immer in ihrer Nase. Sie sah seine Gestalt vor sich, spürte noch die glatte, harte Haut dort, wo sie ihn berührt hatte. Alles kribbelte, als w?re sie an jenen Stellen gebrandmarkt, wo er sie berührte. Und dann dieser Geschmack auf ihrer Zunge... seine feurigen Küsse hatten in ihr ein Verlangen entfacht, das Emmanline nur schwer kontrollieren konnte.
Was war nur mit ihr los? Er hatte ihr all das aufgezwungen und sie hatte sich gewehrt. Natürlich würde sie das auch jetzt noch tun. Doch mittlerweile nur noch mit Vernunft... sofern davon überhaupt noch etwas übrig war. Es machte Emmanline wahnsinnig, wie ihr K?rper auf ihn reagierte. War es Angst? Nein… Angst war das falsche Wort. Es war Unsicherheit. Ein ungewohntes, unkontrollierbares Gefühl, das jedes Mal in ihr hochstieg, sobald er in ihrer N?he war. Oder sogar schon dann, wenn sie nur an ihn dachte. Dieser Drache hatte Macht über ihre Sinne. Dieser Drache sollte sich aus ihren Gedanken heraushalten. Irgendwo musste er sich in ihrem Kopf eingenistet haben… anders konnte sie es sich nicht erkl?ren. Und natürlich hatte er es mit purer Absicht getan. Es w?re so typisch für ihn. Der Drache jagte Emmanline nicht... denn er musste es gar nicht. Er brauchte nur ihre Gedanken zu beherrschen, ihre Sinne zu durchdringen. So blieb er derjenige, der die Kontrolle hielt. So wusste er jederzeit, wo sie war, was sie tat… was sie fühlte.
Es war nicht leicht, sich dagegen zu wehren. Und gerade dieses Gefühl der Ohnmacht... diese leise, kaum greifbare Macht, die er über sie ausübte... machte alles nur noch schlimmer. Normalerweise h?tte Emmanline sich fragen müssen, warum er so besessen davon gewesen war, sie festzuhalten. Warum er sie nicht einfach losgelassen hatte. Warum er sie in seinen H?hlen behalten und sie mit diesem Blick durchbohrt hatte, als w?re sie das kostbarste Juwel in seinem ganzen Hort. Doch die Antwort offenbarte sich in dem Moment, in dem die Frage überhaupt in ihr aufstieg.
Es war ihr Geheimnis.
Das Geheimnis, das tiefer in ihr verborgen lag, als ihr eigener Verstand reichte. Eines, das sie selbst kaum begreifen konnte. Eines, das sie niemals jemandem anvertrauen durfte. Und genau in dieser Sekunde... als die Wahrheit wie ein kalter Schatten über ihr Herz glitt... erklang wieder die Stimme ihrer Mutter in ihrem Geist. Sanft. Warm. Unnatürlich klar. Ein Echo aus einer Zeit, in der sie noch geglaubt hatte, Liebe sei etwas anderes als Schmerz.
?Meine Emma, zeige niemandem… wirklich niemandem, wer du in Wahrheit bist. Niemand darf erfahren, was in dir wohnt. Was du bist… und wer du bist. Ich wei?, es wird nicht leicht sein“, hatte sie geflüstert, w?hrend ihre Finger beruhigend über Emmanlines Wange strichen. ?Aber du musst dich immer an meine Worte erinnern. Du darfst sie niemals vergessen. Eines Tages kann ich nicht mehr bei dir bleiben… ich muss an einen anderen Ort gehen.“
Ihre Mutter hatte diese Worte gesprochen, als Emmanline kaum sieben Jahre alt gewesen war. Behutsam, sanft... wie ein warmer Windhauch auf ihrer Haut. Doch selbst damals, viel zu früh, hatte das Kind bereits gewusst, welchen Ort ihre Mutter meinte, als sie sagte, dass sie gehen müsse. Die Erinnerung schmeckte bittersü?. Immer wieder hallten diese Worte in ihr nach... Tag für Tag, Jahr für Jahr, sodass Emmanline sie unm?glich h?tte vergessen k?nnen.
?Dein wahres Wesen muss in dir verschlossen bleiben“, hatte ihre Mutter weitergesprochen, die Stimme weich und dennoch unerbittlich. ?Auch wenn es schmerzt. Auch wenn es hinaus in die Freiheit dr?ngt. Jeder, der bemerkt, welches Geheimnis du in dir tr?gst, wird dich jagen und einsperren, weil sie nicht teilen wollen, was sie nicht verstehen.“ Dann hatte ihre Mutter gel?chelt... traurig und stolz zugleich. ?Du bist etwas Besonderes. Etwas Seltenes. Genauso wie ich. Und es wird nicht immer so bleiben. Eines Tages wirst du hier herauskommen. Frei sein. Du wirst Erfahrungen machen, die dich pr?gen. Und etwas Gutes wird auf dich warten… nur für dich allein. Du wirst jemanden finden, dem du alles anvertrauen kannst.“
Damals hatte Emmanline gedacht, es sei ein grausamer Scherz... eingesperrt war sie schlie?lich bereits. Doch ihre Mutter hatte den Kopf geschüttelt, als k?nnte sie genau diese Gedanken lesen. Aber wo war dieses Gute, von dem sie gesprochen hatte? Wenn es wirklich für sie bestimmt war… wann sollte es endlich kommen? In Jahren? Jahrzehnten? Oder erst in Jahrhunderten? Emmanline hatte keinen Glauben mehr, aus dem sie sch?pfen konnte. Keine Hoffnung, die sie irgendwo h?tte finden k?nnen. Als Kind hatte sie ihrer Mutter versprochen, zu warten... geduldig, stark, tapfer. Doch jetzt erkannte sie, wie naiv sie gewesen war. Wie blind. Ihre Mutter hatte ihr so viel Hoffnung geschenkt, dass es rückblickend wie ein M?rchen wirkte. Ein M?rchen, das sie nie hatte festhalten k?nnen. Es war zu gro? gewesen, zu hell, zu weit entfernt für jemanden wie sie. Und je verzweifelter Emmanline versuchte, daran festzuhalten, desto deutlicher fühlte sie den Schmerz. Wie ein Seil, das man so lange umklammert, bis die H?nde aufrei?en und bluten. Es war einfach… zu viel gewesen.
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Beinahe w?re Emmanline gestolpert, als sie durch den dichten, dunklen Wald hastete. Ihre Gedanken hatten sie bis eben so sehr gefangen gehalten, dass sie ihren Weg kaum wahrgenommen hatte, wohin sie lief. Doch pl?tzlich blieb Emmanline stehen... ruckartig, als h?tte jemand ihr Herz gepackt und festgehalten. Etwas hatte sich ver?ndert. Die Luft. Die Stille. Die Dunkelheit selbst. Die Nacht war l?ngst hereingebrochen, schwer und erdrückend. Dicke Wolken verschluckten Sterne und Mond, lie?en kaum einen Funken Licht hindurch. Ein Fr?steln kroch ihr über den Rücken, als sich tief in ihrem Inneren etwas zusammenzog. Dann spürte sie es... sie war nicht mehr allein.
Panik flammte in ihr auf, hei? und schneidend. Emmanline rannte sofort los... flüchtete nicht nur vor der Nacht, nicht nur vor der Leere, die sie aufgesogen hatte. Sie rannte, weil sie wieder einmal verfolgt wurde.
?Lauf nur, Elfe. Wir werden dich holen… und wenn wir dich haben, holen wir uns unsere Belohnung!“ Die Stimme hallte zwischen den B?umen, tief, düster, verzerrt. Zu nah, was ihr Herz noch schneller vor Panik zum Schlagen brachte.
?Zuerst werde ich sie bekommen. Mmh… wie schmackhaft sie wohl ist…“ Eine zweite Stimme, gierig, verh?hnt.
?Tr?um weiter. Ich kriege sie zuerst!“ Die dritte Stimme lachte, scharf und h?misch.
Emmanline wusste genau, was ihre Verfolger taten. Sie sprachen absichtlich so laut, immer wieder, mit derselben grausamen Betonung. Es war ein Spiel... ein perfides, psychologisches Jagen. Sie wollten sie zermürben, wollten, dass die Panik in ihr Wurzeln schlug. Dass sie glaubte, keine Chance zu haben.
Und das Schlimmste... Sie hatte recht damit.
Drei Vampire jagten sie durch den düsteren Wald. Ihre Schritte waren kaum zu h?ren, doch ihre Stimmen schabten über ihre Nerven wie kalte Klingen. Immer wieder sah sie ihre rotglühenden Augen zwischen den B?umen aufblitzen... wie flüssiges Blut, das sich durch die Finsternis fra?. Sie verschwanden, tauchten an anderer Stelle wieder auf, unberechenbar, unheilvoll. Ein st?ndiges Flackern kurz vor dem Angriff.
Mehrmals hatte Emmanline versucht, sie abzuschütteln... mit T?uschungszaubern, mit der Magie der Verborgenheit, mit jedem Trick, den sie kannte. Doch nichts davon hatte funktioniert. Sie fanden sie immer wieder. Nicht nur ihre Zahl war ein Nachteil. Diese Vampire bewegten sich mit einer Geschwindigkeit, die jeden Verstand herausforderte... kein echtes Verschwinden, keine Teleportation, aber nah genug dran, um es wie Magie wirken zu lassen. Ein Flackern. Ein Schatten. Ein Atemzug und schon waren sie wieder vor ihr. Sie spielten mit ihr Katz und Maus. Für sie war Emmanline kein Wesen... nur Beute. Ein Spielzeug. Eine Nahrungsquelle. Vielleicht sogar mehr. Der Gedanke an dieses ‘mehr‘ lie? ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie zwang sich, ihn zu verdr?ngen, denn wenn sie sich ausmalte, was sie ihr antun k?nnten, würde sie stehen bleiben. Erstarren... und das w?re ihr Ende.
Also rannte Emmanline weiter. T?uschte. Wendete. Führte sie in die Irre, so gut sie konnte... in der Hoffnung, dass der Morgen sie retten würde. Doch die Stunden bis zum ersten Licht dehnten sich zu einer Ewigkeit und Emmanline wusste nicht, ob sie lange genug durchhalten konnte.
?Miez, miez, miiiez… Na komm heraus.“ Die Stimme eines Vampirs schnitt durch die Nacht wie ein Messerschnitt, ein sp?ttisches Locken, als wollten sie ein verlorenes K?tzchen aus einem Versteck treiben. Dabei wussten sie ganz genau, wo sie war. ?Wir werden auch ganz sanft zu dir sein“, s?uselte er. Emmanline schauderte. Sanft. Ein grausamer Hohn. Sanft lag nicht in der Natur dieser Kreaturen... nicht in diesem Leben, nicht in irgendeinem.
Emmanline sprang über umgestürzte B?ume, duckte sich unter tief h?ngende ?ste, bahnte sich einen Weg durch Dornen und dichtes Unterholz. Der Wald war so überwuchert, dass jeder Schritt sie verlangsamte, jeder Atemzug brannte. Fluchtm?glichkeiten? Kaum. Der Wald war ein Labyrinth, und jeder falsche Schritt konnte ihr letzter sein. Auf freies Feld zu laufen kam nicht infrage. Kaum würde sie den Schatten des letzten Baumes verlassen, w?ren sie bei ihr. Innerhalb von Sekunden. Emmanline musste sich etwas einfallen lassen. Sofort. Ohne Plan war sie verloren. W?hrend ihre Beine weiter rannten, arbeitete ihr Verstand fieberhaft. Wie konnte sie diesen Vampiren entkommen? Welche Schw?che hatten sie? Welche Chance hatte sie? Denn weiterzulaufen bedeutete nur eines... Zeit gewinnen, aber keine Rettung.
Pl?tzlich spürte sie etwas in ihrer Hand. Etwas Leichtes, Kühles. Emmanline stolperte fast, h?tte beinahe den Halt verloren und w?re über einen Baumstumpf hinweg gestürzt. Im letzten Moment bekam sie die Kurve... und dann erst sah sie es. Der blutrote Rubin lag in ihrer rechten Hand. Er glomm schwach im düsteren Wald, wie ein einzelner Funken Glut, der die Dunkelheit herausforderte. Emmanline starrte ihn an, vollkommen erstarrt, unf?hig auch nur einen Gedanken zu fassen.
Das konnte nicht sein.
Wie… wie war der Stein wieder zu ihr gelangt? Emmanline hatte ihn im Zimmer zurückgelassen. Auf dem kleinen Schrank. Bei dem Drachen. Alles, was sie unternommen hatte... all die Angst, all die Gefahr, hatte einem einzigen Ziel gedient... den Rubin zurückzubringen. Ihn zu seinem rechtm??igen Besitzer zu bringen und nun lag er hier. In ihrer Hand, als h?tte er sie nie verlassen. Als h?tte er… auf sie gewartet.
Verwirrung und Entsetzen überfluteten Emmanline gleichzeitig. Die brennende Frage, wie das geschehen konnte, blieb unbeantwortet... und inmitten dieser t?dlichen Jagd durfte sie keine Sekunde verlieren. Sie konnte es sich nicht leisten, jetzt darüber nachzudenken, ob sie unbewusst einen Zauber gewirkt hatte. Nein, das konnte nicht sein. Emmanline spürte immer, wenn Magie in ihr aufwallte... bewusst oder unbewusst. Doch der Rubin in ihrer Hand vibrierte auf eine Weise, die sie nicht zuordnen konnte… ein leises, pulsierendes Schwingen, das ihr Herz schneller schlagen lie?, als würde es in ihren eigenen Rhythmus eingreifen. Magie? Vielleicht, aber das spielte in diesem Moment keine Rolle. Jede Sekunde konnte ihr letzter sein. Emmanline musste überleben. Hastig schob sie den Rubin in die Tasche ihrer schwarzen Hose, damit er sie beim Rennen nicht behinderte und rannte weiter, so schnell sie konnte.
Langsam stieg der Boden an. Felsen wuchsen aus der Dunkelheit empor, erst klein, dann immer massiver, bis sie sich zu schroffen Mauern auftürmten. Emmanline erkannte, dass sie in die N?he eines Gebirges geraten war. Ein kalter Schauer jagte ihr über den Rücken. Das hier war kein Zufall. Die Vampire kannten dieses Gel?nde genau. Es war ihr Jagdgebiet... und sie war mitten hineingerannt.
Bruchstücke eines Gespr?chs aus den Drachenh?hlen schossen ihr durch den Kopf. Zwei Wachen von damals hatten sich über die Vampire lustig gemacht... wie protzig sie seien, wie überheblich und faul. Menschen seien ihre liebsten Opfer... leichte Beute. Die Vampire spielten mit ihnen, w?hlten sie aus wie Figuren in einem grausamen Spiel. Genau wie sie gerade mit Emmanline spielten.
Und Sie? Sie war nur das neueste Spielzeug. Ein Werkzeug in ihrem perfiden Katz-und-Maus-Spiel. Doch vielleicht konnte Emmanline das Gebirge zu ihrem Vorteil nutzen. Sie k?nnen diese Berge nicht, doch bestimmte Muster waren überall gleich... enge Felsspalten, steile Abh?nge, schmale, tückische Pfade, die nur eine einzelne schmale Person passieren konnte. Ihr Leben in den H?hlen hatte Emmanline gelehrt, jede noch so kleine Orientierungshilfe zu erkennen... und jetzt musste sie dieses Wissen nutzen.
Emmanline atmete tief durch und zwang sich, jeden Schritt bewusst zu setzen. Jede Wurzel, jeder Felsvorsprung, jede Unebenheit im Boden konnte ihr zum Verbündeten werden. Vielleicht konnte sie den Vampir austricksen. Vielleicht lie?en sie sich die verschlungenen G?nge und schmalen Spalten des Gebirges nutzen, um ihre Verfolger in die Irre zu führen. Ihr Herz h?mmerte gegen ihre Rippen, ihre Sinne waren bis zum Zerrei?en gesch?rft. Jeder Muskel steht unter Spannung, bereit zu reagieren. In diesem Moment z?hlt jede Bewegung. Jede Entscheidung konnte über Leben und Tod entscheiden. Sie durften keine einzige Chance verstreichen lassen. Kampflos würde Emmanline nicht untergehen.
Nicht jetzt. Nicht hier.

