Shanna strauchelte für einen kurzen Augenblick, als sie Neils brummige, tiefe Stimme in ihrem Kopf wahrnahm. Erschüttert und zugleich froh darüber, dass sie ihn h?ren konnte. Ihr Herz schlug gleich schneller in ihrer Brust und sie keuchte auf, als sie seine Worte wahrnahm. Jede einzelne Berührung durch ihn... sei es auch nur auf geistiger Ebene... fühlte sich an, als würde er sie k?rperlich umschlingen. Sie spürte jede sensibelste Nuance seiner selbst.
Neil war noch da und... am Leben.
Auch wenn Shanna sich freute, seine verführerische Stimme zu h?ren, die ihr unter die Haut ging und sie umschmeichelte, brauchte sie doch gerade die vollste Konzentration. Emily und sie waren weiter in diese verwirrenden G?nge vorgedrungen, als fünfzig Meter vor ihnen eine Gruppe von sechs Wendigos auftauchten. Sie hatten sie beide noch nicht entdeckt, aber alles einmal irgendwelche Wesen gewesen, die nun zu einer Rotte zusammengewachsen waren. Eine blasse, milchige Haut… jeden einzelnen Knochen unter ihrer dünnen Haut sehend… die hervorstechende Wirbels?ule über ihre gekrümmte Haltung ragend, w?hrend Hüftknochen und Schlüsselbein arg hervorstachen. Ihre schleimigen, ausged?rrten, verzerrten K?rper hingen in einem Kreis über gebeugt, in der Mitte ein liegender K?rper, der nicht mehr zu identifizieren war. Sie fra?en… ihre langen, messerscharfen Klauen und Rei?z?hne gruben sich in den zerfetzten Leib und innerlich konnte Shanna sich vorstellen, wie sie schmatzende und sabbernde Ger?usche von sich gaben, die ihren gierigen Trieben freien Lauf lie?en.
Der Ekel wuchs in ihr stetig mehr an, je mehr sie das Beobachten musste. Allein dieser Anblick war ekelerregend. Ihre M?uler mit spitzen Rei?z?hnen, w?hrend langer, blutiger Sabber herunterhing… ihre giftig leuchtenden grünen Augen vor Gier und Wahnsinn triefend. Gerade war Shanna dankbar, nichts h?ren zu k?nnen, aber dafür war ihr Geruchssinn umso deutlicher... verfault, widerw?rtig, sü?lich-metallisch... ein reiner Reizfaktor ihres Brechreizes. Sie hatte von diesen Wendigos schon geh?rt und niemand wollte solchen Kreaturen begegnen, weil sie eine einzelne, infizierende, wandelnde Seuche waren. Bissen oder kratzten sie einen mit ihren Rei?z?hnen und Klauen, verwandelte sich jedes Wesen unweigerlich in dieselbe abartige, würgend stinkende Kreatur. Es war wie bei Ghulen mit ihrem verfaulten Fleisch nicht anders... von Gier nach Fleisch und einer Fresssucht befallen. Nur der Unterschied... Wendigos waren schneller, pr?ziser und t?dlicher als Ghule, die langsamer und tr?ge wirkten.
Shanna riskierte einen Seitenblick zu Emily, die ihren Blick erwiderte. Insgeheim wussten sie beide, was sie tun mussten... denn in der Entfernung, zu den Wendigos, mussten sie genau an ihnen vorbei. Zurück wollte keiner von ihnen, weil Emily meinte, sie k?nne sich vorstellen, wo Neil sich aufhielt. Sie hatte Shanna von ihrer einzigartigen F?higkeit erz?hlt... einem fotografischen Ged?chtnis. Emily hatte viel über das H?llen-Labyrinth gelesen, Pl?ne studiert, die verwirrenden G?nge im Kopf abgespeichert... und wusste, wo sich einiges befand. Das konnte ein entscheidender Vorteil sein, wenn es darauf ankam. Aber es war keine hundertprozentige Versicherung. Sie besa?en keine gro?en M?glichkeiten und keine Zeit… nicht nachdem Shanna gerade Neils Stimme in ihrem Kopf wahrgenommen hatte… ersch?pft, voller Schmerzen und mit diesem tiefen, inneren Groll.
Shanna konnte sich sehr gut vorstellen, was Neil gerade durchmachte. Zu viele Berichte hatte sie gesehen und gelesen... mit allen Details und Fotos… Bilder, die nur Ekel und kalte Wut in ihr hervorgerufen hatten. Deswegen würde sie nichts unversucht lassen. Sie griff nach diesem kleinen Strohhalm, bevor sie sich in diesem gigantischen Labyrinth verlief und niemals ihr Ziel erreichte.
Shanna riskierte einen letzten Seitenblick zu Emily. In diesem einen stummen Austausch keimte dieselbe Idee in ihnen auf... es würde kein Entkommen geben. Jahrelanges gemeinsames Training griff ineinander... jede Bewegung, jeder Griff, jeder Atemzug, den sie unz?hlige Male geübt hatten, bis sie wie ein einziger K?rper funktionierten. Emily hatte ihr alles beigebracht. Hatte sie geformt, geschliffen, an ihre Grenzen getrieben... und darüber hinaus. Und jetzt, da Shanna wusste, wer Emily wirklich war, ergab pl?tzlich vieles Sinn. Diese perfekte Harmonie, diese intuitive Synchronit?t… lag sie nicht nur daran, dass sie Schwestern waren, sondern auch daran, dass sie Mutter und Tochter waren? Wenn das stimmte, dann war genau das ihr gr??ter Nutzeffekt.
Jede von ihnen hatte ihre eigene St?rke. Shanna besa? Schnelligkeit, Pr?zision und Schonungslosigkeit in einem einzigen Atemzug. Emily war Kontrolle auf Distanz... und t?dliche Wendigkeit, sobald sie ihre pers?nliche Waffe führte. Shanna kannte keinen J?ger... keinen einzigen, der den Draht so meisterhaft beherrschte wie ihre Schwester. Emily arbeitete mit wenigen, hauchdünnen, rasiermesserscharfen Dr?hten, an deren Enden sie Wurfgeschosse befestigte und sie so zu einer beinahe unsichtbaren, verh?ngnisvollen Waffe machte. Shanna selbst k?mpfte mit verl?ngertem, spitzen Dolchen... direkt, pr?zise, t?dlich nah.
Emily griff in die Oberschenkeltasche ihrer schwarzen, speziell angepassten Trainingshose. Lautlos zog sie die dünnen, eng anliegenden, schnittfeste Handschuhe über... ein Schutz, der Blick fest auf die Wendigos gerichtet. Dann holte sie den l?nglichen, biegsamen Draht hervor, scharf genug, um Fleisch zu schneiden, wenn Spannung darauf lag. Vier kleine Ringe glitten über die Finger ihrer rechten Hand. Am Ende des Drahts befestigte sie den grauen, kompakten Dolch mit ausl?sbaren Widerhaken... er schmiegte sich in ihre Handfl?che, als w?re er ein Teil von ihr. Shanna zog gleichzeitig ihre Dolche, einen in jeder Hand. Sie schloss ihre Finger fester darum, spürte Gewicht und Balance. Wortlos trat sie einen Schritt zurück, in Emilys Schatten, deckte ihre Flanke. Beide atmeten synchron ein. Kein Z?gern. Kein Zittern.
Emily hob die rechte Hand. Der Draht spannte sich wie eine unsichtbare Saite, der Dolch am Ende gl?nzte matt im Fackellicht an den Felsw?nden. Die Wendigos fra?en noch. Sie hatten sie nicht bemerkt. Ein knappes Nicken. Dann bewegten sie sich… gleichzeitig, wie ein einziger Organismus.
Emily glitt lautlos vor, geschmeidig, beinahe t?nzerisch. Der Draht surrte kaum h?rbar, als sie ihn l?ste und den Dolch mit einer pr?zisen Drehung des Handgelenks schleuderte. Ein verschwommenes Wurfgeschoss, dann ein lautloser Aufprall in Shannas Welt, als sich die Klinge durch das rechte Auge des hinteren Wendigo bohrte… verfaultes Fleisch zerfetzte. Das Wesen erstarrte, der K?rper zuckte und ein sabbernder, stiller Schrei... doch Shanna erkannte durch Emilys Zucken ihres K?rpers, wie laut oder schrill er sein musste, als die Widerhaken griffen. Emily riss den Draht blitzartig zurück und zog ihn aus dem Gleichgewicht. Der Wendigo stürzte über den zerfleischten Kadaver zu ihren Fü?en nach vorn und riss zwei weitere mit sich zu Boden. Im selben Sekundenbruchteil war Shanna in Bewegung. Sie sprang an Emily vorbei, mitten zwischen die stürzenden K?rper. Ihre Dolche blitzten auf. Ein schneller, pr?ziser Schnitt… der Kopf des ersten Wendigo l?ste sich sauber von den Schultern. Noch bevor der K?rper fiel, drehte Shanna sich weiter… elegante Drehung ihrer Fü?e. Ein zweiter Hieb, tief und gezielt, trennte auch dem n?chsten die Verbindung. Zwei K?rper sackten reglos zusammen, w?hrend deren hitziges Blut sich über ihre H?nde und Arme ergoss.
Emily zog den Draht vollst?ndig zurück und zerfetzte den dritten Wendigo am Boden... sein Sch?del und verfaulte Hirnmasse verteilte sich auf dem Boden. Der Dolch kehrte zusammengeklappt in ihre Hand zurück. Ohne Pause lie? sie den Draht erneut ausschwingen. Er legte sich um den Hals des Wendigo, der einen zerfetzten Sch?del besa? und wieder aufspringen wollte. Emily spannte sich mit einem harten Ruck und hielt in der Bewegung fest. Shanna war bereits da. Ein einziger, kontrollierter Schnitt… der Kopf fiel, der infizierte Fluch endete, als seine giftigen grünen Augen leer und leblos wurden.
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Der vierte Wendigo fuhr mit sein rasiermesserscharfen Klauen nach Shanna aus, nur winzige Millimeter an ihrer Kehle vorbei. Sie tauchte unter seinen breiten Beinen hindurch, rollte ab und kam hinter ihm hoch. Ein kurzer Moment der Fixierung, als Emilys Draht sich straff zog, ihn in einer bewegungslosen Position hielt… dann trennte Shannas Klinge auch hier das Notwendige vom K?rper. Kein Laut.
Zwei blieben übrig. Emily und Shanna standen Rücken an Rücken. Kein Blick. Kein Wort. Nur Bewegung. Emily lie? den Draht peitschen, band einen der Wendigos, riss ihn aus der Linie und von den Fü?en, als er angreifen wollte, mit glühenden giftigen rasenden Augen und mit gierigen, sabbernden Rei?z?hnen im Maul. Shanna nutzte den Moment, trat vor und vollendete den Schnitt. Der letzte Wendigo wandte sich lautlos schreiend, der Boden vibrierte konstant unter ihren Fü?en… zu sp?t. Der Draht spannte sich erneut, hielt ihn für den einen Herzschlag, den Shanna brauchte. Dann Stille. Nur die Bewegung… das stetige Tropfen von Blut auf Stein und am Boden die gek?pften Wendigos. Nur die einzige Art, dass sie nie wieder auf die Fü?e kamen. Shanna atmete kontrolliert aus. Emily rollte den Draht ruhig wieder auf, wischte den Dolch sauber und steckte ihn zurück. Beide sahen sich an.
?In so einem Augenblick… ich beneide deine H?rlosigkeit“, kommentierte Emily und Shanna konnte ihre Worte perfekt von den Lippen lesen. Sie hatte es sich gedacht, wie fürchterlich ihre Laute sein mussten.
?Dafür nehme ich noch mehr den Gestank wahr“, erwiderte Shanna emotionslos, denn sie konnten diese Kreaturen hier nicht einfach laufen lassen. Dadurch, dass sie sich frei in diesem Labyrinth bewegten, k?nnten sie jederzeit ihre Spur aufnehmen und sie in Augenblicken angreifen, an denen sie es am schlechtesten brauchten. Also gleich t?ten... denn das waren keine Wesen… die ein Herz und einen Verstand besa?en.
?Was war mit dir los gewesen?“, fragte Emily ohne Umschweife und sie wusste, worauf ihre Schwester hinauswollte. ?Du warst im Kampf immer ein paar Sekunden aus dem Konzept.“
Shanna sah den H?hlengang hinunter, in den sie weitergehen wollten. ?Bis eben… ich konnte mit meinem Gef?hrten sprechen“, antwortete sie darauf und es widerstrebte ihr, weil Neil auf einmal fort war. Sie spürte ihn nicht mehr, als w?re er in einen tiefen Schlaf gesunken. Was auch immer er gerade durchmachte, sie musste zu ihm. Sofort.
?Du… kannst ihn h?ren?“, sprach Emily erst, als sie ihren Fokus wieder auf sie gerichtet hatte. ?Wie?“
?Durch eine Gef?hrtenbindung. In meinem Kopf“, sagte Shanna nur die halbe Wahrheit. Sie wollte nicht das volle Ausma? einer Rudelverbindung verraten und ob es überhaupt gestattet war. Immerhin war dieses Wissen nicht wirklich unter den Huntern bekannt. ?Wei?t du… wo sich ein Raum mit silbernen magischen K?figen befindet? Oder eine Art Labor? Er sprach davon“, lenkte sie das Thema ab und es k?nnten Hinweise geben und Emily erinnerte sich an etwas.
Die zweifarbigen Augen von Emily verengten sich kalt und konzentriert, als dachte sie nach und durchforstete ihren eigenen Kopf in einem kompletten System. Ihre K?rpersprache zeigte keine klaren Anzeichen. ?Ja, mir w?re ein Ort bekannt und wenn du sagst ein Labor… dieser Teil steht einem Wissenschaftler namens Alexander Jenkins unter. Jetzt, wo du es erw?hnst... er spezialisiert sich auf Gestaltenwandler, aber untersteht eigentlich einer anderen Huntervereinigung in Amerika. In den Vereinigten Staaten und ihr Hauptsitz ist in Los Angeles“, berichtete ihre Schwester und es war erstaunlich, wie weit ihr Erinnerungsverm?gen reichte. Dadurch, dass jede Vereinigung der J?ger einen dieser gelben Kristalle besa?, wunderte es Shanna recht wenig, wenn sie auf andere Hunter trafen, die aus verschiedenen Teilen der Welt kamen. ?Dafür müssen wir noch einiges weiter in das Labyrinth hinein und da werden solche Kreaturen… wie diese hier… keine Seltenheit werden. Vermutlich werden es mehr und auch andere Arten.“
?Spielt keine Rolle, ich muss dorthin. Dann werde ich mich durchschlagen, so viel es n?tig ist“, entgegnete Shanna energisch und es würde kein Zurück geben und kein Anhalten.
?Das ist mir schon bewusst“, nickte Emily verst?ndnisvoll und in ihren Augen spiegelte sich ebenfalls Entschlossenheit mit, gerade weil sie auch eine Aufgabe besa?. ?Warum leuchtet dein rechtes Handgelenk?“, fragte ihre Schwester auf einmal, deutete darauf und Shanna blickte auf ihr rechtes Handgelenk und dieser halbmondartige Kristall, der in das golden verschn?rkelte Armband eingelassen war… leuchtete in einem hellblauen Ton, als n?hme er etwas in sich auf.
Verwundert blickte Shanna um sich. Dies war das Geschenk der Mondg?ttin gewesen und sie sollten verlorene Seelen aufsammeln, die hier im H?llen-Labyrinth eingesperrt waren. Anscheinend war einer oder mehrere Wendigos, die nun tot zu ihren Fü?en lagen, einmal Wolfswandler gewesen. Mitleid zeigte sich auf Shannas Zügen... dass sie auf solch eine Art und Weise ihr Leben beendet hatten. Dieser Beweis reichte gegen ihre verblendete Sicht auf die Welt … denn im Verborgenen existierten Seelen. ?Das ist wohl ein Anzeichen… in welcher kleinen Sicht wir leben… blind, obwohl die Welt viel gr??er und bedeutungsvoller ist“, wisperte Shanna und lie? ihr rechtes Handgelenk wieder sinken. ?Dass wir diese Kreaturen get?tet haben, hatte wohl einen Segen und zeitgleich eine Erl?sung für ihre Seelen.“
Danach machten sie beide sich wieder auf den Weg, hielten sich nicht zu lange an einem Ort auf und wollten keine Zeit verlieren. Emily führte sie sogar an eine Ecke, die auf dem Weg lag und dort in einem… als w?re es ein Abschnitt von Unberührtheit. Ein kleiner H?hlenraum… versteckt, aber unsagbar sch?n und ruhig, w?hrend sie sich durch einen Spalt zw?ngten und an einer kleinen Quelle ankamen. Der Boden war von weichem, zartem Moos bedeckt. Leuchtende Kristalle spendeten hier angenehmes, ged?mmtes Licht. Klares, sauberes Wasser perlte flie?end aus den W?nden der Felsen und der Verlauf führte in die n?chste Spalte und verlor sich im Gestein. Eine gute Gelegenheit, sich das ganze Blut von sich zu waschen und ihre Waffen zu reinigen. Niemand konnte wissen, wann sie solch eine Gelegenheit wieder bek?men. Dieser Ort war ein absoluter Gegenkontrast zu der H?lle, die sie erwartet hatte oder noch begegnen würde. Aber auch an solchen Orten durften sie ihre Deckung nicht fallen lassen, denn oft konnte der Schein trügen. Aus Sch?nem wurde oft H?ssliches.
Shanna kniete sich kurz neben die Quelle, tauchte die H?nde ins kühle Wasser und wusch das getrocknete Blut von ihren Fingern und Unterarmen. Das Moos unter ihren Knien fühlte sich weich und lebendig an, fast wie ein falsches Versprechen. Sie spürte Emilys Blick im Rücken... wachsam, nicht misstrauisch, sondern einfach… aufmerksam. Ihre Schwester stand ein paar Schritte entfernt und keine von beiden sprach. Shanna trocknete die H?nde an ihrer Hose ab, stand auf und prüfte noch einmal den Sitz ihrer Dolche. Emily tat dasselbe mit einer kleinen, fast rituellen Bewegung... sie zog den Draht einmal durch die Finger, als wollte sie sich vergewissern, dass er noch scharf genug war... den Draht wieder sicher verstaut, den kleinen Dolch bereits gereinigt.
Worte wirkten ruhig, aber darunter lag die gleiche Anspannung, die Shanna selbst spürte. ?Sch?ne Orte wie dieser ziehen oft… Aufmerksamkeit auf sich. Selbst wenn sie verborgen liegen.“ Shanna nickte nur. Sie wusste genau, was Emily meinte. In einem Labyrinth wie diesem war Stille manchmal die gr??te Falle.
Sie füllten die Wasserflaschen bis zum Rand, verschlossen sie sorgf?ltig und verstauten sie wieder in dem Rucksack. Shanna warf einen letzten Blick auf die kleine Quelle, auf das Moos, auf das sanfte blaue Leuchten der Kristalle. Für einen winzigen Moment fühlte es sich an wie ein Abschied... nicht nur vom Ort, sondern von dem Gefühl, dass es irgendwo in dieser Welt noch Sch?nheit geben k?nnte. Dann drehte sie sich um. Emily wartete bereits am Spalt, durch den sie hereingekommen waren. Sie hielt den Finger an die Lippen... nicht n?tig, Shanna h?rte ohnehin nichts... aber die Geste war klar: Ab jetzt wieder vollste Aufmerksamkeit. Shanna trat neben sie. Schulter an Schulter. Kein Wort mehr. Nur noch der n?chste Gang und irgendwo würde Neil sich befinden. Shanna spürte ihn immer noch... schwach, aber da. Ein warmer, stetiger Puls tief in ihrer Brust.
?Ich komme“, dachte Shanna, ohne zu wissen, ob er es noch h?ren konnte. Dann schlüpften sie zurück in das verzweigte H?llen-Labyrinth.

